Die Praxis von Dr. Seeholzer ist der USS Enterprise nachempfunden
Jeden Morgen reist Hans Seeholzer in die Zukunft. Wenn der Kieferorthopäde die Tür seines Behandlungszimmers öffnet, schaut er auf den Kommandostand der USS Enterprise. Dort, wo sonst Captain Kirk und der Rest der Crew sitzen, stehen allerdings Behandlungsstühle - mit Blick auf ein paar imposante Planeten.
Aus der Ecke beobachtet Mr Spock, als Pappfigur, das Treiben. "Das haben sich die Kinder gewünscht", sagt Seeholzer. In der bunten Umgebung fühlen sie sich wohl. Sie kommen nicht nur gerne wieder, sondern erzählen auch weiter, was sie erlebt haben.
Das ist wichtig für Seeholzer und Teil seiner Marketingstrategie. Von den Leistungen der gesetzlichen Kassen, sagt er, könne er nicht mehr leben. Und wer selbst zahlt, gehe lieber ins Ausland - die Konkurrenz dort arbeitet billiger. Um dagegenzuhalten, musste der Erlanger Mediziner eine Gegenstrategie entwickeln: "Mein Ziel ist es, meine Praxis als Marke zu etablieren."
Wer auffallen will, muss sich unterscheiden
Seeholzer ist nicht der einzige, der Neuland betritt. Was für den Arzt gilt, kennen auch Selbstständige aus völlig anderen Branchen: So einfach wie früher geht es nicht mehr. Wer in der Masse auffallen will, muss sich unterscheiden.
Und wer als Gründer das Angebot bereichert, sollte von vornherein überlegen, worin das Besondere des eigenen Angebots liegt. "Unter heutigen Bedingungen führen die althergebrachten Geschäftsmodelle nicht mehr automatisch zum Erfolg", sagt Barbara Gronauer, eine auf den Mittelstand spezialisierte Strategieberaterin.
Ob Anwalt oder Zahnarzt, Steuerberater oder Architekt - sie sind darauf angewiesen, eigene Akzente zu setzen. Ihnen allen rät Gronauer, "eine Strategie zu entwickeln, um sich vom homogenen Angebot der Konkurrenz abzuheben".
Seit Generationen einheitliche Geschäftsmodelle
In vielen Branchen gibt es seit Generationen einheitliche Geschäftsmodelle, die dem Fleißigen wirtschaftlichen Erfolg garantierten. Lange boten etwa alle Bäcker nahezu das Gleiche an. Ähnliches galt auch für Konditormeister Marcel Seeger aus dem rheinischen Städtchen Löbberich.
Doch irgendwann liefen Konditorei und Café, die Seeger in vierter Generation führt, nicht mehr so wie früher. Ein Teil der Kundschaft "verschwand einfach", sagt Seeger. "Die Konditorei lebte genau von dem mittleren Segment zwischen Luxus und Discount, für das sich immer weniger Kunden finden." Intuitiv tat der Konditor, was noch zu wenige Handwerker tun: Er suchte systematisch nach neuen Geschäftsfeldern.
Seeger fand die Nische: Heute beliefert er die Vorstände großer Konzerne mit exklusivem Teegebäck und Pralinen. Da er für den Einstieg in dieses Geschäft seine Mitarbeiter und Maschinen nutzen konnte, waren anfangs keine Investitionen nötig. Das senkte das Risiko - und auf das Wohlwollen seiner Bank war Seeger auch nicht angewiesen. Auf das neue Geschäft entfällt heute bereits die Hälfte seines Umsatzes.
Geschäftsstrategie ändern anstatt Opferrolle
Es gebe zu wenig Seegers, sagt Strategieberaterin Gronauer. Beliebter sei es, "sich in eine Opferrolle zu verkriechen und nach dem Schutz durch die Politik zu rufen". Die Möglichkeit, ihre Geschäftsstrategie gezielt zu verändern, erkennen diese Unternehmer nicht.