Markus Walber und Alfons Denzler von Via-Online
Frühjahrsputz 2002. Markus Walber entrümpelt den Keller. Puppenglasaugen, Elektrogeräte und ein altes VHS-Gerät. 15 ausgediente Liebhaberstücke will er bei Ebay versteigern. Das klappt. Walber bekommt von Ebay eine unübersichtliche E-Mail. Lange irren seine Augen den Ausdruck rauf und runter, bis er Namen und Anschrift des Käufers findet. Mehr aber nicht. Zwischen Rechnungs- und Lieferadresse wird nicht unterschieden. Bankverbindungen? Offenbar unwichtig. Darf ja Ebay nichts kosten.
Das geht doch besser. Den Informatiker packt der Ehrgeiz. "Wenn ich schon mit 15 Artikeln so einen Aufwand habe, wie muss es jemandem ergehen, der 1000 Artikel täglich verkaufen will?", denkt er sich. Die Nische ist entdeckt: Afterbuy - eine Software, die Ebay-Händlern bei der Verkaufsabwicklung hilft.
Einfaches Tool, das die Essentials filtert
Walber programmiert monatelang, fast rund um die Uhr. Seine fünf Jahre zuvor gegründete VIA-Online GmbH schmeißt sein Geschäftspartner Alfons Denzler derweil allein. Im August 2002 kann Walber in den Ebay-Foren die erste, noch kostenlose Version von Afterbuy anpreisen. "Ein ganz einfaches Tool": Aus der Bestätigungs-E-Mail von Ebay werden automatisch der Käufername, Artikel und Preis herausgefiltert. Dem Käufer wird eine Nachricht mit einem Link gesandt, der ihn auf die Internetseite des Händlers führt. Der Kunde trägt dort seine Koordinaten ein, die in eine Datenbank überführt werden. Speicherplatz auf dem heimischen Rechner braucht der Händler nicht - der gesamte Internetverkehr läuft über den Afterbuy-Server.
800 Tester gewinnt er für sich. Bald reicht die Serverkapazität nicht mehr aus. "Wir baten unsere Kunden um einen Vorschuss. 8000 Euro kamen schnell zusammen." 2003 ist der offizielle Start. Heute werden über Afterbuy täglich bis zu 100.000 Artikel im Wert von 3 Mio. Euro abgerechnet, das entspricht rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes von Ebay Deutschland. VIA-Online und seine 18 Mitarbeiter verdienen an jeder Transaktion bis zu 35 Cent. Natürlich nicht mehr mit dem simplen Tool der Anfangsjahre. Walber hat Afterbuy längst zu einer komplexen Anwendung für professionelle Händler aufgemotzt. Und sein Kompagnon Denzler hält ihm weiterhin den Rücken frei.
ChecklisteStartkapital 150.000 DM als Existenzgründungskredit 1997
Größter Kostenblock Damals Internet-Traffic und Servertechnik, heute die Lohnkosten
Höchste Hürde Skalierung der Technik. Die Systeme werden jedes halbe Jahr aufgerüstet
Auslastung Keine Grenzen
Arbeitzeit 70 bis 100 Stunden
Perspektive Stetiges Wachstum, Expansion auf andere Marktplätze in Europa