Christine Ax, Institut für Zukunftsfähiges Wirtschaften
FTD Liegt die Zukunft des Handwerks in Kooperationen?
Christine Ax Das kann man so nicht sagen. Es gibt nach wie vor Handwerker, die wunderbar als Einzelunternehmer erfolgreich sein können. Neben Handwerker- und Künstler- gibt es den Unternehmer-handwerker, der sich über den wirtschaftlichen Erfolg definiert. Und der ist offen für Kooperation.
FTD Allen drei Typen gemeinsam ist ihr Selbstverständnis vom Handwerker als Einzelkämpfer.
Ax Mit dieser Einschätzung würde ich mich einverstanden erklären.
FTD Wie kriege ich diese Mentalität aufgebrochen, die dem Kooperationsgedanken komplett widerspricht?
Ax Leider meist erst in der Not, wenn es gar nicht anders geht. Das ist schade, denn die erfolgreichsten Kooperationen sind die zwischen starken Partnern. Aus der Position der Schwäche heraus ist es dann viel schwieriger, Erfolg zu haben.
FTD Führt das dazu, dass solche Kooperationen häufiger scheitern?
Ax So pauschal stimmt das nicht. Entscheidend ist für mich ein anderer Punkt: Kooperationen sind keine Notlösungen, sondern eine unternehmerische Strategie.
FTD Aber wie wird diese Strategie umgesetzt? Wie fest muss, wie lose darf eine Kooperation sein?
Ax Lockere Netzwerke zwischen Handwerkern hat es schon immer gegeben, aber die machen nicht wirklich stark. Eine Kooperation ist anders, fester, die muss gesteuert werden und braucht ein professionelles Management. Dadurch bekommen kleine Unternehmen eine Qualität, die sie alleine nicht haben.
FTD Wodurch zeigt die sich?
Ax Um im Markt wahrgenommen zu werden, bedarf es heute oft einer bestimmten Größe und Qualität. Aspekte wie etwa Vermarktung und Vertrieb können in der Kooperation oft besser geregelt werden. Partner tun sich beispielsweise zusammen, um vor Ort sichtbar zu werden, bilden Dachmarken oder bündeln das Angebot an einem gemeinsamen Ort - da gibt es viele Möglichkeiten.
Interview: Michael Prellberg