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Merken   Drucken   13.04.2005, 09:07 Schriftgröße: AAA

Enable: Wer nicht patentiert, verliert  

Die Plage mit den Plagiaten: Experten raten, den Patentschutz nicht schleifen zu lassen. Versteckte und offene Kennzeichen am Produkt unterstützen im Kampf gegen Fälschungen. von Astrid Maier
Viele Köpfe, viele Ideen: China-Experte Andreas Blume von der Industrie- und Handelskammer Pfalz rät dazu, eine Stabsstelle im Unternehmen einzurichten, die sich mit dem Schutz vor Plagiaten befasst. „In den meisten Betrieben wird dies grundsätzlich von Juristen bearbeitet, die oft von dem Land keine Ahnung haben“, sagt Blume. Der Kampf gegen Fälschungen sei aber ebenso eine Aufgabe für die Marketingabteilung. Bei Stihl beschäftigen sich gleich ein Dutzend Leute mit dem Problem: Jede Woche sitzen Anwalt Martin Welker und Asien-Manager Winfried Weida mit Mitarbeitern aus Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Einkauf und Produktion zusammen und feilen an Strategien gegen Produktpiraterie.
Wird ein Unternehmen mit Piraterieware konfrontiert, so könne es durch Sonderpreis- und Verkaufsaktionen reagieren, um das Originalprodukt zu stärken, sagt Blume. Stihl bietet beispielsweise seinen Händlern Rabattaktionen oder Spezialangebote mit wechselnden Ersatzteilen an.
Kunden informieren, Zoll autorisieren
Unternehmen sollten zudem stets einen EU-weiten Grenzbeschlagnahmeantrag erstellen, rät Blume, und ein Produkt- und Kennzeichensicherungssystem aus versteckten und offenen Kennzeichen erarbeiten. Auffällige Ladung könne dann vom Zoll konfisziert und zerstört werden. „So hält man sich den EU-Markt fälschungssicher.“ „Wir haben lange in unserem Team darüber diskutiert, ob Hologramme Sinn machen“, sagt Stihl-Manager Weida. Da China aber Weltmeister im Fälschen von Hologrammen sei, habe man sich auf „ein Kennzeichen geeinigt, das nur wir hier im Stammhaus kennen“.
IHK-Experte Blume empfiehlt, Kunden zu informieren und das Personal für das Problem zu sensibilisieren. Bei potenziellen chinesischen Geschäftspartnern, Lieferanten und Mitarbeitern sei eine gesunde Portion Misstrauen überlebenswichtig. „Ich würde die Hintergründe meines Personals bei einer Firmengründung in China stets überprüfen lassen“, sagt Blume. Stihl forsche im Einkauf „immer nach, auf wen wir uns eigentlich einlassen“, sagt Weida. Insbesondere bei Kernbauteilen könne ein unbemerktes Abzweigen beim Lieferanten den Nachbau des gesamten Produkts bei einem Dritten ermöglichen. „Vorsicht!“, mahnt Weida: „Niemals Zeichnungen an unbekannte Firmen aus der Hand geben.“
China-Fachmann Blume rät, Patente und Schutzrechte wie Marken weltweit professionell zu managen. Erste Hilfe über die anfallenden Kosten, das bürokratische Prozedere und juristische Hintergründe bei der Anmeldung von Schutzrechten in China erteilt die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Köln. Denn schließlich gilt: Wer nicht patentiert, verliert.

Kornelia Matthes: Erfindungen erfolgreich schützen Kurz und bündig werden Vor- und Nachteile der verschiedenen Schutzrechte und Patente vorgestellt. VDM Verlag Dr. Müller, 123 S., 39 Euro, ISBN 3865500889

  • FTD.de, 13.04.2005
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