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Merken   Drucken   20.04.2006, 22:00 Schriftgröße: AAA

Europas Schulen prägen eigenen Managertyp

Im Weiterbildungsmarkt herrscht Goldgräberstimmung, die Zahl der MBA-Programme nimmt weiter zu. Die Anbieter profitieren vom wachsenden Bedarf an europäischen Führungsmethoden. Neue MBA-Angebote entstehen dabei vor allem im Mittelfeld. von Axel Gloger
Die Zahl der Anbieter und Absolventen von MBA-Programmen steigt   Die Zahl der Anbieter und Absolventen von MBA-Programmen steigt
Der Markt kennt scheinbar weder Rezession noch Konsumschwäche: MBA-Schulen werden nach wie vor gegründet, als würde die Goldader Master of Business Administration (MBA) nie versiegen. Jüngste Beispiele: Seit Januar büffeln Studenten an der Berliner European School of Management and Technology (ESMT) für ihren MBA-Titel.
In wenigen Monaten öffnet die Alanus-Hochschule bei Bonn ihre Pforten und lockt Manager mit einer Mischung aus Management- und Kunststudium. Das MBA-Programm der Technischen Universität Hamburg-Harburg richtet sich an Führungskräfte aus Logistikunternehmen - los geht es im August.
"Der Boom ist ungebrochen", sagt Matthias Klumpp von Campus Sapiens, einer auf Hochschulen spezialisierten Beratungsgesellschaft in Essen.
In Deutschland ist der MBA, verglichen mit dem MBA-Mutterland USA, zwar noch ein junger Abschluss - vor knapp zehn Jahren gab es hier zu Lande erst 35 Anbieter. Inzwischen jedoch gibt es nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) mehr als 150 MBA-Angebote in Deutschland.
Markennamen etablieren
Doch nicht alle Anbieter profitieren gleichermaßen vom Wachstum der Branche. "Im Feld der Top-Schulen zeigt sich recht wenig Bewegung", sagt Branchenexperte Klumpp. Es gibt keine Neuzugänge durch Gründungen, die Spitze besetzen nach wie vor die etablierten Schulen wie Insead, Wharton oder Harvard.
Die amerikanischen Schulen leiden derzeit sogar unter nachlassender Akzeptanz. Die Bewerberzahlen gingen seit 1998 um 30 Prozent zurück, ergab eine Analyse des Magazins "Business Week". Auch die europäischen Schulen müssen sich mehr anstrengen, um an Bewerber zu kommen: Sie investieren verstärkt in Werbung, Roadshows und Messeauftritte.
Viele neue MBA-Angebote entstehen dagegen im Mittelfeld. Beispielsweise sind die staatlichen Universitäten dabei, ihren Markennamen auch im Markt der Managerausbildung bekannt zu machen. Die Universität Mannheim stellt sich etwa für die Rolle als MBA-Anbieter im europäischen Markt auf. An ihrer Business-Schule werden seit 2004 bis zu 50 Studenten pro Jahr aufgenommen.
Auch die RWTH Aachen wirbt mit ihren Namen neuerdings auf dem MBA-Markt: Seit 2004 bietet die Aachen Global Management Academy (AGLAC) zusammen mit der Universität St. Gallen einen Teilzeit-Abschluss (Executive MBA) an, der sich speziell an Ingenieure und Naturwissenschaftler richtet.
Vorteil Europa
Die Goethe Business School (GBS) der Universität Frankfurt ist ein weiteres Beispiel für den Trend, eine berufsnahe Management-Ausbildung anzubieten. Sie hat im Mai 2005 den "Duke Goethe Executive MBA" gestartet. "Viele Konzerne der deutschen Wirtschaft stehen der Universität nahe, sie werden den neuen Studiengang befruchten", sagt Mark Wahrenburg, Dekan der GBS.
"Es gibt ein großes Interesse für die europäische Denkweise im Management", erklärt Eva Wiemann von Cardea, einem Zürcher Beratungsunternehmen. Der große Binnenmarkt der Industriestaaten mit 450 Millionen Konsumenten lockt: Wer hier seine berufliche Zukunft sieht, ist mit einem MBA aus Mannheim, Paris, London oder Frankfurt besser versorgt als mit dem amerikanischen Pendant.

Lesen Sie mehr über die europäische Manager-Ausbildung

  • FTD.de, 20.04.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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