Trotz Fachkräftemangel schauen sich Unternehmen lieber auf dem deutschen Arbeitsmarkt um
Was ist geschehen? Im Dezember 2010 wurde der 47-Jährige arbeitslos und im Februar dieses Jahres besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel Madrid. Hier verkündete sie, dass qualifizierte Ingenieure aus Spanien nach Deutschland kommen sollten. Seitdem herrscht Aufbruchstimmung auf der iberischen Halbinsel.
Viele der hiesigen Ingenieure würden lieber heute als morgen zur neuen Arbeitsstelle in Richtung Norden aufbrechen. Denn die anhaltende Wirtschaftskrise lässt sie nicht mehr an eine Zukunft im eigenen Land glauben. "Wir haben keine Geldprobleme, meine Frau arbeitet", sagt Hernandez. "Aber ich bin erst 47 Jahre und wenn ich als Ingenieur arbeiten will, dann ist das nur noch in Deutschland möglich."
Viele Spanier denken wie er. In die EU-Datenbank für berufliche Mobilität (Eures) haben sich seit Februar rund 3500 Ingenieure eingetragen. Die Zahl der Interessenten hat sich damit innerhalb von nur wenigen Monaten fast verzehnfacht. Doch neun Monate nach Merkels Aufruf sind erst wenige ausländische Ingenieure tatsächlich in Deutschland angekommen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Doch eines ist klar: Die große Umzugswelle ist bislang ausgeblieben.
Deutsche Firmen halten sich zurück
Denn während Bundeskanzlerin Merkel um ausländische Fachkräfte wirbt, bleiben die deutschen Firmen eher zurückhaltend. Wie viele seiner Landsleute hat Hernandez bereits etliche Bewerbungen geschrieben, doch eine positive Antwort blieb bislang aus.
Denn trotz der Klage über den Mangel an Fachkräften beschränken sich die meisten Unternehmen auf den deutschen Arbeitsmarkt. "Die aktive Suche nach Mitarbeitern im Ausland ist eine Ausnahme", bestätigt Stefanie Thimm, Pressereferentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Stuttgart. Nach ihrer Studie sind nur zehn Prozent der befragten Unternehmen bereit, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren. Das könnte sich jedoch ändern. Rund 21 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie künftig auch im Ausland nach Mitarbeitern suchen werden.
So lange will man bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg nicht warten. Nach ihrer Ansicht ist schon jetzt der Mangel an Ingenieuren akut: Auf eine offene Stelle bewerbe sich gerade mal ein Interessent, beklagt Beate Raabe, Pressesprecherin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der BA.