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Merken   Drucken   12.08.2010, 13:19 Schriftgröße: AAA

Familienfreundlichkeit: Mit dem Kind ins Büro?

Der Sprössling ist krank, der Babysitter ausgefallen und Oma wohnt zu weit weg. Manchmal stehen Familien vor der Frage: Wohin mit dem Kind, wenn der Chef darauf besteht, dass man im Büro auftaucht? Am Arbeitsplatz sind die Kleinen eher unerwünscht. von Sabine Meinert 
Mehr als jeder zweite Beschäftigte kann sein Kind unter keinen Umständen mit zur Arbeit nehmen, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Online-Karriereportals Monster unter mehr als 1400 Nutzern. Familienfreundlichkeit hin oder her - für die meisten Chefs sind Kinder am Arbeitsplatz ein Störfaktor.
Selten möglich: mit dem Kind ins Büro   Selten möglich: mit dem Kind ins Büro
Nur jeder fünfte Arbeitnehmer kann sich in Ausnahmefällen vorstellen, dass der Vorgesetzte zustimmt, den Nachwuchs einfach mitzubringen, auch wenn es nicht gern gesehen wird. Jeder Vierte ist dagegen überzeugt, dass Chefs und Kollegen über den Kinderbesuch nicht sauer wären, solange der Spruch "Ich bring heut mal den Kleinen mit" nicht zur Gewohnheit wird und - vor allem - notwendige Arbeit nicht liegen bleibt.

Können Sie in Ausnahmefällen Ihr Kind mit ins Büro bringen?
Ja, in wirklichen Ausnahmefällen kann ich mein Kind ins Büro mitnehmen, auch wenn das nicht gern gesehen wird.20 Prozent
Nein, ich kann mein Kind unter keinen Umständen zur Arbeit mitnehmen.56 Prozent
Mein Chef und die Kollegen sehen das locker, solange der Arbeitsablauf nicht gestört wird.24 Prozent

Angesichts des Fachkräftemangels auf dem deutschen Arbeitsmarkt spielt in den Firmen das Kriterium Familienfreundlichkeit zwar eine immer größere Rolle. Doch Beruf und Familie gut unter einen Hut zu bekommen, bleibt für die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer schwierig. Nur wenige Unternehmen bieten Tagesbetreuungsplätze oder andere Hilfen an, wenn Mitarbeiter Sprösslinge kurzfristig untergebracht werden müssen.
Viel zu wenige richten eine eigene Kita für die Mitarbeiterkinder ein, um den Eltern einen stressfreien Arbeitstag zu garantieren. Auch Mutter/Vater-Kind-Büros, in die Beschäftigte sich mit ihren kranken Kindern zurückziehen können, um den Kleinen nahe zu sein und gleichzeitig die Kollegen nicht zu stören, sind eher selten. Ebenso gehören Ferienfreizeiten oder andere Hobbyaktivitäten für die Kinder der Belegschaft nicht zu den bevorzugten Instrumenten des Personalmanagements. Immerhin sind flexible Arbeitszeitregelungen inzwischen recht häufig zu finden.
Erfolgsfaktor im Wettbewerb um Talente
Dabei kann Familienfreundlichkeit ein entscheidender Faktor im Kampf um die besten Köpfe sein, ist sich Expertin Ursula Thieme sicher. "Wer rechtzeitig mit familienfreundlichen Konzepten junge Nachwuchskräfte rekrutiert und diese in der Phase der Familiengründung ernsthaft und aktiv unterstützt, wird auf Dauer die erforderlichen Fachkräfte behalten und weiterentwickeln können." Umfragen zeigen, dass für 90 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren mit Kindern Familienfreundlichkeit bei der Arbeitgeberwahl ebenso wichtig ist wie das Gehalt, meldet auch das Familienministerium. Fast ein Drittel habe demnach für mehr Familienfreundlichkeit bereits die Stelle gewechselt.
Marcus Riecke von Monster Worldwide rät deshalb: "Eine familienfreundliche Unternehmensstruktur sollte auf die Bedürfnisse berufstätiger Eltern eingehen - auch wenn dies einmal einen Ausnahmezustand im Büro bedeuten kann", so Riecke. "Alternativ kann es sinnvoll sein, Mitarbeitern einen Home-Office-Arbeitsplatz zu ermöglichen. So können Eltern sich ausreichend um ihre Kinder kümmern und sind gleichzeitig mit der nötigen Büroinfrastruktur ausgestattet, um von Zuhause aus das Wichtigste für den Arbeitgeber zu erledigen."
Um solche Initiativen zu fördern, schreibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend regelmäßig den Unternehmenswettbewerb "Erfolgsfaktor Familie" aus, der besonders familienfreundliche Personalpolitik prämiert. Außerdem werden vergibt die Behörde ein Zertifikat zum Audit "Beruf und Familie". Derzeit unterstützt zudem der Europäischen Sozialfonds (ESF) mit seinem Förderprogramm "Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung" Firmen für zwei Jahre, beim Start eines betrieblichen Betreuungsprojekts.
An der nichtrepräsentativen Umfrage des Karriereportals Monster nahmen im Juli dieses Jahres 1441 Befragte in Deutschland und Österreich teil.
  • FTD.de, 12.08.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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