Hermann Otto Solms (l.) und Rainer Brüderle: Beide sind rund 40 Jahre in der Politik
Solms und Brüderle - über zehn Jahre nun arbeiten beide an ihrem Aufstieg zur Macht und zu Ministerwürden, jetzt soll es endlich so weit sein: Nach der Bundestagswahl am 27. September will Solms Finanzminister werden, Brüderle Wirtschaftsminister. Für beide geht es darum, ob ihre langen mühseligen Karrieren mit der Krönung enden - oder mit weiteren vier Jahren in irgendeinem Ausschuss oder als Vizepräsident des Bundestags. Aber Politik kann brutal sein. Nach ihren Gesetzen wird, wenn überhaupt, nur für einen von beiden der Traum in Erfüllung gehen.
Es ist ihre letzte Chance. Doch nach außen tragen die beiden ihre Auseinandersetzung mit einer Gelassenheit aus, zu der nur Männer im gehobenen Alter fähig sind - Brüderle ist 63, Solms fünf Jahre älter. Und alles klingt so einfach, wenn man dieses Alter erreicht hat und schon so vieles war.
Er sei sich mit Brüderle "völlig einig", sagt Solms: "Wenn wir in die Regierung kommen, einen vernünftigen Koalitionsvertrag aushandeln und wir das Finanzministerium bekommen, stehe ich zur Verfügung. Wenn wir das Wirtschaftsministerium bekommen, steht er zur Wahl." Brüderle ist da vorsichtiger. Wenn man sich in eine Sache verbeiße, gehe das immer schief, sagt er. Aber dass ihn der Job des Wirtschaftsministers reizt, ist klar: "Ordnungspolitisches Gewissen ist schon sehr viel, wenn der Wirtschaftsminister es richtig macht."