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  FTD-Serie: Rivalen der Macht

Wer die Politik in Deutschland verstehen will, muss die Geschichten ihrer Duelle kennen. Es sind Geschichten von ständigem Misstrauen, beispielloser Genugtuung, von Erniedrigungen und großen Siegen. Die FTD hat die spannendsten Zweikämpfe auf Kabinettsbänken und Parteizentralen aufgeschrieben.

Merken   Drucken   14.04.2009, 12:40 Schriftgröße: AAA

FDP-Rivalen: Brüderle vs. Solms

Zwei Herren für ein Amt: In der Opposition pflegten Rainer Brüderle und Hermann Otto Solms zehn Jahre lang ihre Konkurrenz. Und der Kampf geht weiter: Die Bundestagswahl ist für die FDP-Senioren die letzte Chance auf ein Ministeramt. von Timo Pache (Berlin)
Der Clinch kommt an diesem Morgen etwas technisch daher. Ein scheinbar harmloser "Ergänzungsvorschlag" vom stellvertretenden Partei- und Fraktionschef Rainer Brüderle, auf Seite 11 des Entwurfs zum FDP-Wahlprogramm - doch alle Mitglieder der Parteispitze wissen, was und wer gemeint ist: "Wenn sich der Staat zeitweilig an Banken beteiligt", fordert Brüderle, "darf der Finanzminister nicht länger für den Ordnungsrahmen des Finanzgewerbes zuständig sein." Das Wirtschaftsministerium solle künftig die Kontrolle der Finanzbranche übernehmen.
Alle schmunzeln, berichtet ein Teilnehmer. Bis auf einen: Hermann Otto Solms habe ganz ruhig dagesessen. Er weiß, dass er die Forderung kaum aufhalten kann. "So hat er sich wenigstens keine Niederlage auf offenem Feld eingehandelt", sagt ein anderes Mitglied der Parteispitze. Solms und Brüderle seien klug genug, ihre Kontroversen nicht offen auszutragen. "Auch wenn sie natürlich mit Händen zu greifen sind."
Hermann Otto Solms (l.) und Rainer Brüderle: Beide sind rund 40 ...   Hermann Otto Solms (l.) und Rainer Brüderle: Beide sind rund 40 Jahre in der Politik
Solms und Brüderle - über zehn Jahre nun arbeiten beide an ihrem Aufstieg zur Macht und zu Ministerwürden, jetzt soll es endlich so weit sein: Nach der Bundestagswahl am 27. September will Solms Finanzminister werden, Brüderle Wirtschaftsminister. Für beide geht es darum, ob ihre langen mühseligen Karrieren mit der Krönung enden - oder mit weiteren vier Jahren in irgendeinem Ausschuss oder als Vizepräsident des Bundestags. Aber Politik kann brutal sein. Nach ihren Gesetzen wird, wenn überhaupt, nur für einen von beiden der Traum in Erfüllung gehen.
Es ist ihre letzte Chance. Doch nach außen tragen die beiden ihre Auseinandersetzung mit einer Gelassenheit aus, zu der nur Männer im gehobenen Alter fähig sind - Brüderle ist 63, Solms fünf Jahre älter. Und alles klingt so einfach, wenn man dieses Alter erreicht hat und schon so vieles war.
Er sei sich mit Brüderle "völlig einig", sagt Solms: "Wenn wir in die Regierung kommen, einen vernünftigen Koalitionsvertrag aushandeln und wir das Finanzministerium bekommen, stehe ich zur Verfügung. Wenn wir das Wirtschaftsministerium bekommen, steht er zur Wahl." Brüderle ist da vorsichtiger. Wenn man sich in eine Sache verbeiße, gehe das immer schief, sagt er. Aber dass ihn der Job des Wirtschaftsministers reizt, ist klar: "Ordnungspolitisches Gewissen ist schon sehr viel, wenn der Wirtschaftsminister es richtig macht."
Das Bundesfinanzministerium, für Hermann Otto Solms der erträumte ...   Das Bundesfinanzministerium, für Hermann Otto Solms der erträumte Arbeitsplatz
Übereinander sagen beide nur Freundliches. Dr. Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich lobt die hemdsärmelige Art des Pfälzers Brüderle. "Ich passe nicht so ins Bierzelt, das weiß ich auch", sagt der Hesse mit den stets perfekten Anzügen. "Wir sind seit vielen Jahren Duzfreunde", sagt Brüderle. Natürlich gebe es "mal Spannungen, aber wenn's drauf ankommt, stehen wir zusammen."
Hahnenkämpfe im Arbeitskreis
Mag sein, dass die beiden ihre Konkurrenz einigermaßen gepflegt austragen - aber sie verzichten nicht auf notwendige Härte: Austragungsort ihrer Hahnenkämpfe ist der Arbeitskreis II Wirtschaft und Finanzen. Hier werden Anträge und Positionspapiere formuliert, hier wird gehandelt und gekungelt, etwa über die Auftritte im Bundestag: Wer darf wann wie lang zu was reden? "Das kann wirklich anstrengend sein", sagt ein Mitglied des Arbeitskreises, "da schenkt sich keiner was."
Wenn Brüderle als Erster für die FDP zum Konjunkturpaket spreche, dann müsse Solms als Erster zur Bankenrettung sprechen. "Die wollen beide noch was werden und verfolgen dies mit unbedingtem Willen", sagt ein anderes Mitglied des AK II, "jede Chance zur Profilierung wird genutzt."

Teil 2: Gespaltene Fraktion im Bundestag

  • Aus der FTD vom 14.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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