Mit Krediten erkaufen Banken immer häufiger Mitbestimmungsrechte. Vielen Unternehmen passt das gar nicht. Für selbstbewusste Unternehmer gibt es einige Alternativen. von Olaf Wittrock
Dirk Lehmann hatte genug von dem Hin und her. Monatelang hatte er mit mehreren Banken verhandelt. Lehmann suchte neue Gesellschafter für seine Hamburger Firma Becker Marine Systems, ein Spezialist für Schiffsruder. Sein langjähriger Industriepartner und Mitgesellschafter, die Maschinenfabrik Hatlapa, wollte seine Anteile für einen zweistelligen Millionenbetrag verkaufen. Um diese selbst zu kaufen, fehlte es Lehmann am Kapital.
Zur Bank zu gehen schien der naheliegendste Schritt. Aber sollte er einen industriellen Partner durch einen ersetzen, der sich in Geschäftspläne und Bilanzen einmischt? Im Lauf der Gespräche wurde immer klarer: Die Antwort lautet: Nein. Bei den Verhandlungen ging es immer wieder um Mitentscheidungsrechte.
Covenants heißen im Bankerjargon die Kreditklauseln, mit denen die Banken Kontrolle über ihre Schuldner ausüben können. Die Schulden steigen, der Cashflow schrumpft - ruck, zuck sitzt der Kreditgeber mit am Tisch, will noch häufiger und genauer informiert werden oder mischt sich gar in die Geschäfte ein. "In der Krise werden Banken hellhörig", sagt Guido Hoffmann, Rechtsanwalt der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz, "sie sind dann mitunter nerviger als Gesellschafter." Seit sich die verklausulierten Vertragswerke bei den Banken immer mehr durchsetzen, sind Unternehmer auch bei Bankkrediten nicht vor fremder Einflussnahme geschützt. Dabei waren diese traditionell die wichtigste Finanzierungsmöglichkeit ohne Abgabe von Entscheidungsgewalt.
Dirk Lehmann entschied sich dafür, lieber hohe Zinsen zu zahlen, als zu viele Mitspracherechte abzugeben. Er schloss einen Genussrechtsvertrag mit der Volksbank-eigenen Gesellschaft DZ Equity Partners ab. Über die Konditionen redet er nicht. Wohl aber darüber, wie pflegeleicht der Investor ist. Monatlich liefert Lehmann ein Reporting ab. Zustimmungspflichtige Geschäfte sind in einem Katalog abschließend festgelegt. Über die entscheiden Lehmann und seine Partner in regelmäßigen Treffen.
Wenn die Zeit drängt, reichen auch mal E-Mail oder Telefon. Etwa, als Becker Marine Systems Anfang 2011 kurzfristig eine neue Niederlassung in Korea eröffnete. "Unser Controller hat vorab einen Dreiseiter mit dem groben Konzept und den wichtigsten Zahlen erstellt. Innerhalb einer Woche hatten wir die Zusage."
"Die Lust, Geschäftsvorfälle zu kommentieren, ist weniger davon abhängig, ob ein Geldgeber Gläubiger oder Investor ist, sondern auch davon, wie groß der Anteil ist", sagt Michael Sörgel von der Wirtschaftskanzlei DLA Piper. "Minderheitsbeteiligungen unter 25 Prozent können durchaus die Finanzierung sicherstellen, ohne dass der Inhaber Einfluss auf die Gesellschaft verliert."
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