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Merken   Drucken   14.10.2008, 14:25 Schriftgröße: AAA

Firmenstudie: Top-Manager taugen nur bedingt als Unternehmer

Wer eine Firma führt, ist noch lange kein Unternehmer. Die Rolle, die eine Führungskraft eines Konzerns erfüllt, ist eine andere als die eines Firmeneigentümers. Wendelin Wiedeking passt in beide Schuhe, zeigt eine aktuelle Umfrage. von Sabine Meinert
Die Gründe für die unterschiedliche Rollenverteilung sind klar: Die Chefs von börsennotierten Unternehmen stehen nur für eine bestimmte Periode an der Spitze. Sie müssen vor allem kurzfristige Ziele - zum Beispiel steigende Aktienkurse - anvisieren. In ihren Entscheidungen spielt eine Rolle, dass ihnen das Unternehmen nicht gehört. Unternehmer müssen dagegen stärker auf die langfristige Sicherung des Unternehmens achten.
Doch welcher Spitzenmanager wäre auch als Unternehmer auf eigenes Risiko erfolgreich? Wer taugt nicht nur zum Top-Manager, sondern auch zum Firmeneigner? Der Unternehmensberater Weissman & Cie. befragte dazu 500 mittelständische Unternehmer.
Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender des Sportwagenbauers Porsche   Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender des Sportwagenbauers Porsche
Klarer Gesamtsieger
Bei der Auswahl aus 14 Konzernlenkern gab es eine klare Antwort: Wendelin Wiedeking . Der Porsche-Chef erhielt den höchsten Zustimmungswert - 96 Prozent der Befragten trauen ihm zu, auch als Unternehmer erfolgreich zu sein. Vor allem "weil er sehr konsequent seinen eigenen Weg geht. Wiedeking unterwirft sich auch nicht allen Regeln des Kapitalmarkts", fasst Arnold Weissman von Weissman & Cie. die Studienergebnisse zusammen.
Ebenfalls weit vorn dabei ist Wolfgang Reitzle . Der Vorstandschef von Linde  verkörpert für 86 Prozent der Umfrageteilnehmer den unternehmerischen Typ. Die befragten Mittelständler trauen ihm zu, ein eigenes Unternehmen erfolgreich zu entwickeln. Platz drei auf der Rangliste geht mit 85 Prozent der Zustimmung an Norbert Reithofer  von BMW .
Telekom-Chef René Obermann kann Mittelständler nicht überzeugen   Telekom-Chef René Obermann kann Mittelständler nicht überzeugen
Trotz Erfolgs abgeschmiert
Das geringste Vertrauen in die unternehmerischen Fähigkeiten haben die befragten Firmeneigner in die Chefs von Telekom , Eon und Allianz. Rene Obermann, Wulf Bernotat  und Michael Diekmann  erreichten nur noch Zustimmungsquoten von etwa 60 Prozent.
Die Familienunternehmer erkennen dabei durchaus die Leistungen der Manager an, etwa im Fall von Obermann, der in jungen Jahren erfolgreich Telefonausrüstungen auf eigene Rechnung verkauft hat. Dennoch haben die Ereignisse der letzten Monate das Vertrauen in die Unternehmer-Fähigkeiten des Telekom-Chefs offenbar erschüttert. Auch den anderen "Schlusslichtern" ergeht es nicht besser, sagt Weissman: "Diekmann zum Beispiel wird von einer deutlichen Zahl von Unternehmern offensichtlich 'nur' als Manager wahrgenommen."
Welcher Manager wäre auch ein erfolgreicher Unternehmer?
1. Wendelin Wiedeking, Porsche 96 Prozent
2. Wolfgang Reitzle, Linde 86 Prozent
3. Norbert Reithofer, BMW 85 Prozent
4. Dieter Zetsche, Daimler 82 Prozent
5. Herbert Hainer, Adidas 80 Prozent
6. Jürgen Hambrecht, BASF 76 Prozent
7. Wolfgang Mayrhuber, Lufthansa 73 Prozent
8. Martin Winterkorn, VW 72 Prozent
9. Josef Ackermann, Deutsche Bank 70 Prozent
10. Michael Frenzel, TUI 69 Prozent
11. Peter Löscher, Siemens 67 Prozent
12. Rene Obermann, Deutsche Telekom 61 Prozent
13. Wulf Bernotat, Eon 58 Prozent
14. Michael Diekmann, Allianz 57 Prozent
Quelle: Weissman & Cie., Top-Manager im Urteil von Unternehmern, 2008
 
Die Studie "Manager im Urteil der Unternehmer" wertet die Antworten von 500 Eigentümern mittelständischer deutscher Unternehmen mit einem Umsatz zwischen drei Millionen und einer Milliarde Euro aus. Prof. Dr. Arnold Weissman ist Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Hochschule Regensburg und Gründer des Strategieberatungsunternehmens Weissman & Cie, das vor allem Familienunternehmer begleitet.
  • FTD.de, 14.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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