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Merken   Drucken   10.01.2006, 19:14 Schriftgröße: AAA

Fischer will Professor in den USA werden

Am Jahresanfang hat er sein letztes Parteiamt bei den Grünen aufgegeben, demnächst könnte der ehemalige Außenminister Joschka Fischer eine neue Aufgabe übernehmen: Er will mittelfristig als Professor in die USA gehen. von Cordula Tutt, Berlin
Joschka Fischer in Denkerpose   Joschka Fischer in Denkerpose
Das bestätigen Parteimitglieder im Umfeld Fischers. Den 57-Jährigen ziehe es wahrscheinlich an die Elite-Universität Princeton nahe New York. Das Magazin "Stern" meldet, im Geheimen habe er Verhandlungen über eine Gastprofessur geführt. Es gebe Anfragen der beiden Ostküsten-Unis Princeton und Harvard. Bereits nach der Wahl war zu hören, Fischer strebe als Krönung seiner Laufbahn die Ehren-Professur an einer US-Uni an. "Das treibt ihn schon lange an", heißt es in Parteikreisen.
Die Professur passt in Bild. Es gibt eine Aufnahme von Fischer aus seiner Zeit als Außenminister: Er sitzt in seiner Wohnung, vertieft in Lektüre. Hinter ihm quillt das wandhohe Bücherregal über. Sein letztes eigenes Buch "Die Rückkehr der Geschichte" spickte der 57-Jährige dann angeblich mit so vielen Fußnoten, dass der Verlag die Hälfte strich.
Beides zeigt nicht nur, wie wichtig dem prominentesten Grünen-Politiker geistige Nahrung ist. In seinem Umfeld ist zu hören, dass Fischer stets intellektuell Anerkennung suche. Der frühere Sponti hat weder Abitur noch ein Studium. "Erst wurde der ehemalige Steinewerfer Außenminister, jetzt will er ohne Abi der beste Professor werden", heißt es aus Parteikreisen.
Kuhn verteidigt Fischer
Nach "Stern"-Informationen will der Ex-Minister mit seiner fünften Frau Minu Barati und deren Tochter für zwei bis drei Jahre in die USA. Er verhandle dort auch mit einem Forschungsinstitut.
Für Princeton spricht, dass Fischer mit zwei Politikprofessoren dort befreundet ist - dem Ehepaar Anne-Marie Slaughter und Andrew Moravcsik. "Sie haben engen Kontakt. Letztes Jahr war Slaughter in Berlin und hat zwei Stunden einen Extra-Termin mit Fischer gehabt", hieß es bei den Grünen. In Princeton hielt Fischer 2003 auch einen Vortrag über "Europa und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen".
Ganz überraschend kommt das alles nicht. Fischer hat zwar noch sein Bundestagsmandat. Die Parteioberen gehen aber davon aus, dass er mittelfristig auch dieses zurückgibt. Fraktionschef Fritz Kuhn verteidigte Fischer jüngst noch gegen den Vorwurf, dass er Diäten einstreiche, sich aber nach der Wahl zum Privatmann erklärt hatte. Fischer verweigere sich nicht, sagte Weggefährte Kuhn. Auf den Einwand, dass Fischer bisher die meisten Fraktionssitzungen geschwänzt habe, erwiderte Kuhn: "Er ist im Plenum des Bundestags, er telefoniert auch, wir sprechen miteinander. Er gehört dazu." Zur Zeit schreibt Fischer ein Buch über seine Zeit als Außenminister.
  • Aus der FTD vom 11.01.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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