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Merken   Drucken   21.09.2008, 13:00 Schriftgröße: AAA

Fokus Humankapital: Personalpolitik ist zu undurchsichtig

Im Wettrennen um die besten Spezialisten und Talente spielt das Arbeitgeberimage für börsennotierte deutsche Firmen eine immer größer werdende Rolle. Doch vor allem die Transparenz der Personalpolitik lässt schwer zu wünschen übrig. von Sabine Meinert
Geht es um das Finanzkapital, befleißigen sich deutsche Dax-Firmen, große Ausführlichkeit und hohe professionelle Kommunikationsstandards an den Tag zu legen- schließlich sollen die Anleger und Investoren wissen, woran sie sind. Zudem sind Veröffentlichungsmodalitäten und -kriterien weitgehend gesetzlich festgelegt. Im Personalwesen ist das jedoch nicht der Fall - mit traurigen Konsequenzen, zeigt eine Studie des Human Capital Clubs in Zusammenarbeit mit der TU München.
Die Untersuchung benennt 12 Indikatoren und 35 Kategorien, für deren Erstellung Geschäftsberichte, Internetauftritte, Nachhaltigkeits-, Sozial- und Personalberichte herangezogen wurden. So geht es beispielsweise auf Gesellschaftsebene um die Darstellung von Beschäftigungsentwicklung und Ausbildung, ebenso um die Themen demografiebezogene Maßnahmen und Corporate Social Responsibility (CSR). Auf Mitarbeiterebene standen unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Motivation im Mittelpunkt. Die Forscher bewerteten zudem die Kommunikation von Leitbildern und Werten des Unternehmens, von Talentmanagement oder des Themas Führung, um die Transparenz von Personalpolitik auf Unternehmensebene einzuschätzen.
Transparenz-Spitzenreiter BMW
Transparenz-Primus in Sachen Personalpolitik: BMW   Transparenz-Primus in Sachen Personalpolitik: BMW
Ergebnis: Am besten von allen 30 Dax-Unternehmen schnitt der Autobauer BMW ab. Von vier erreichbaren Punkten erzielte der Konzern einen Wert von 2,69 auf der Skala des "Human Capital Transparenz Monitors". Mit einem Gesamtwert von jeweils 2,24 Zählern liegen Commerzbank und RWE knapp dahinter. Auf den letzten fünf Plätzen wurde dagegen nicht einmal ein Zähler erreicht: Bei Deutsche Börse (0,97), ThyssenKrupp (0,93), MAN (0,89), Fresenius Medical Care (0,87) und HypoRealEstate (0,83 Punkte) ist es mit Transparenz in der Personalpolitik nicht weit her.
Durchschnittlich lag der Transparenzwert der Dax-Konzerne bei 1,72 Punkten - das zeigt dem Human Capital Club zufolge, dass hier große Defizite bestehen. Programme und Maßnahmen im Personalbereich werden nur ungenügend dargestellt, Chancen des Selbstmarketings und der Profilierung als Arbeitgebermarke verschenkt. Jürgen Glaser, Projektleiter für die Studie an der TU München, sagt es sogar noch drastischer: "Wenn Dax-Unternehmen, die sich sonst gerne als attraktive Arbeitgeber präsentieren, ihre Leistungen im Personalbereich so wenig publik machen, dann dürften diese auch nicht besonders gut sein".
Stärken und Schwächen
Vor allem die Themen Weiterbildung und Gesundheit spielen in der Kommunikation der Unternehmen kaum eine Rolle. So konnte die Deutsche Post bei Weiterbildung überhaupt nicht punkten. Deutsche Börse, HypoRealEstate, MAN und selbst der Medizintechnikspezialist Fresenius Medical Care erhielten beim Punkt Gesundheit eine Null-Wertung.
Nachsitzer bei Transparenz im Personalwesen: ThyssenKrupp   Nachsitzer bei Transparenz im Personalwesen: ThyssenKrupp
Dagegen haben die Unternehmen erkannt, wie wichtig es ist, Sponsoring-Aktivitäten oder CSR-Maßnahmen zu kommunizieren. Stark sind hier Allianz, BASF und Commerzbank. Auch über das Talentmanagement im eigenen Haus reden die Firmen gern. Besonders gute Ergebnisse erzielten hier Adidas, Deutsche Bank, Deutsche Post, Lufthansa und Münchner Rück. Schwach positioniert sich dagegen erneut ThyssenKrupp.
Nicht nur Zahlen, auch Human Capital messen
Insgesamt verzeichnet Peter Friederichs, Gründer des Human Capital Club ein hohes Maß an Desinteresse am Thema Transparenz in der Personalpolitik. Mit dem "Transparenz-Monitor", der künftig jährlich erscheinen soll, will er das abbauen. Mit der Arbeit seines Vereins will er erreichen, dass Manager künftig nicht nur an Geschäftsergebnissen, sondern stärker an Verbesserungen im Personalbereich gemessen werden. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern werden deshalb Ratingsysteme erarbeitet, um Human-Capital-Maßnahmen zu bewerten. Denn so Friederichs: "Abgesehen von BMW sind die Ergebnisse ernüchternd".
  • FTD.de, 21.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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