Martina Linnenluecke, Wissenschaftlerin an der University of Queensland forscht zu Folgen des Klimawandels
Das so genannte Resilience-Management muss mehr in den Blickpunkt rücken, fordern die Fachleute. Denn bereits jetzt hat nahezu jedes Unternehmen erste Erfahrungen mit Wetterkapriolen wie enormer Hitze, lang anhaltender Dürre oder massiven Niederschlägen infolge des Klimawandels gemacht. "Dabei geht es nicht nur um die Zerstörungen, die an Gebäuden oder Produktionsanlagen entstehen, sondern auch um die weniger direkten Auswirkungen der Wetterereignisse, zum Beispiel auf Zulieferer, auf Rohstoffpreise oder auf die Nachfrage nach bestimmten Waren", erläutert Martina Linnenluecke, eine der Autoren der Studie.
Dabei dürfe man nicht kurz denken: So könne eine Hitzewelle zum Beispiel nicht nur Auswirkungen im Agrarsektor haben, sondern auch im Gesundheitswesen. Ebenso seien Handel oder der allgemeine Warentransport betroffen. Letztlich gehe es bis hin zum Abfall der Produktivität in jedem Betrieb. Eine Windhose oder Flut könnten einen Zulieferer lahmlegen und so die eigene Fertigung empfindlich stören. Oberste Regel müsse deshalb sein: "Be prepared!"
Bisherige Strategien unzureichend
Die Klima-Adaptionsforscherin ist sich sicher, dass bisherige Anpassungsstrategien nicht ausreichen. Viele Unternehmenschefs unterschätzten das Thema und wappneten sich daher zu wenig gegen mögliche Schadensfälle. "Bisherige Klimamodelle sind eher grobmaschig, Extrem-Wetterereignisse lassen sich daher nur schlecht vorhersagen. Lediglich die Rückversicherer arbeiten mit adäquaten Modellen, um Schadenfälle besser absichern zu können. Viele Unternehmen anderer Branchen beziehen das veränderte Klima in ihre Planungen aber höchstens in Form von Emissionszertifikaten ein. Das ist ein äußerst limitiertes Problemverständnis", warnt die Expertin.