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  FTD-Serie: Fondsmanager

Sie bewegen Milliarden und entscheiden über Schicksale. Doch welche Menschen sich hinter den großen Fonds der Welt verbergen, ist nur den Insidern bekannt. Die FTD präsentiert Ihnen in einer Serie erfolgreiche Fondsmanager und ihre Strategien.

Merken   Drucken   05.09.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Fondsmanager-Porträt: Leo Willert - Rechtzeitig vom Gas

Leo Willert schichtet für seine Dachfonds jede Woche Millionen um - bislang sehr erfolgreich. Sein Trendfolgesystem arbeitet so selbstständig, dass ihm Zeit für zwei Hobbys bleibt: Autorennen und Tanzsport. von Bernd Mikosch (Frankfurt)
Den 18. Mai wird Leo Willert nicht in allzu guter Erinnerung behalten: Auf regennasser Fahrbahn verliert er in der Ascori-Kurve im italienischen Monza die Kontrolle über seinen Wagen und schlittert in den Reifenstapel. Sein Aston Martin Vantage N24 kommt mit ein paar Beulen davon, er selbst mit einem Schrecken.
Willert mag als Hobbyfahrer bei GT4-Rennen manchmal zu sehr auf sein Bauchgefühl hören. Als Fondsmanager kann ihm das nicht passieren. Da verlässt sich der 44-Jährige auf den Computer. Mit seinem Handelssystem steuert Willerts Unternehmen ARTS Asset Management 640 Mio. Euro in zwölf Dach- und zwei Einzeltitelfonds. Vor allem für den Mutterkonzern, den Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat, aber auch für die Versicherer Deutscher Ring und Wiener Städtische.
Bei Testfahrten auf dem Pannonia-Ring in Ungarn gelingt es Leo ...   Bei Testfahrten auf dem Pannonia-Ring in Ungarn gelingt es Leo Willert, mal nicht an die Finanzmärkte zu denken
Datenbank als Kern des System
Sein ältester Fonds ist der C-Quadrat ARTS Total Return Global-AMI, der flexibel in Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds investiert. "Ziel ist, in Zeiten steigender Kurse etwa die Wertentwicklung globaler Aktienmärkte mitzumachen und in Schwächeperioden die Verluste zu begrenzen", sagt Willert. Das ist ihm gelungen: Seit März 2003 legte der Fonds 65 Prozent zu, der Weltaktienindex von MSCI nur 45 Prozent.
Das Handelssystem folgt einem "momentumgetriebenen Sektorrotationsprinzip". Herzstück ist eine Datenbank mit mehr als 10.000 Fonds von rund 160 Investmentgesellschaften. "Das System sucht die Fonds mit den stabilsten, konsistentesten Trends heraus", erläutert Willert. Zunächst legt der Rechner die Aktienquote fest. Steigen die Kurse, wird der Aktienanteil erhöht und umgekehrt. In einem zweiten Schritt wählt das Handelssystem die Fonds aus - einmal die Woche wird umgeschichtet.
Der Profianleger hat keine Angst, dass ihm einmal die Trends ausgehen könnten. "Es gibt immer Zeiten, in denen bestimmte Branchen oder Länder einen besonderen Boom erleben - in den 80er-Jahren waren es japanische Immobilienaktien, in den 90ern Technologie- und Internetwerte, bis vor Kurzem Rohstoffe, Energie oder die Bric-Länder Brasilien, Russland, Indien und China. Diese Trends wollen wir natürlich nicht verpassen." Allerdings möchte Willert auch schnell aussteigen, sobald ein Trend dreht. Rund um die Uhr gleicht die Datenbank den aktuellen Fondswert mit dem Stoppkurs ab - fällt er darunter, folgt das Signal zum Ausstieg.
Lange Zeit waren die Kapitalmärkte für Willert nur ein Hobby. Er studierte Soziologie und Öffentlichkeitsarbeit, machte Public Relations für den Möbelkonzern Ikea und gründete eine Werbeagentur. Mit dieser Agentur erstellte er Fonds-Factsheets für C-Quadrat. Die manuell ausgefüllten Infoblätter enthielten viele Fehler, also programmierte Willert eine Datenbank, mit der sich die Factsheets vollautomatisiert erstellen ließen. Diese Datenbank nutzte Willert auch für seine privaten Fondsgeschäfte, die C-Quadrat abwickelte. Seiner Kundenbetreuerin fiel auf, dass er sehr erfolgreich handelte - so erfolgreich, dass ihm C-Quadrat 2003 anbot, das Management eines Fonds zu übernehmen. Zahlreiche weitere Mandate folgten.

Teil 2: Hohe Gebühren

  • Aus der FTD vom 05.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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