Bei Testfahrten auf dem Pannonia-Ring in Ungarn gelingt es Leo Willert, mal nicht an die Finanzmärkte zu denken
Datenbank als Kern des SystemSein ältester Fonds ist der C-Quadrat ARTS Total Return Global-AMI, der flexibel in Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds investiert. "Ziel ist, in Zeiten steigender Kurse etwa die Wertentwicklung globaler Aktienmärkte mitzumachen und in Schwächeperioden die Verluste zu begrenzen", sagt Willert. Das ist ihm gelungen: Seit März 2003 legte der Fonds 65 Prozent zu, der Weltaktienindex von MSCI nur 45 Prozent.
Das Handelssystem folgt einem "momentumgetriebenen Sektorrotationsprinzip". Herzstück ist eine Datenbank mit mehr als 10.000 Fonds von rund 160 Investmentgesellschaften. "Das System sucht die Fonds mit den stabilsten, konsistentesten Trends heraus", erläutert Willert. Zunächst legt der Rechner die Aktienquote fest. Steigen die Kurse, wird der Aktienanteil erhöht und umgekehrt. In einem zweiten Schritt wählt das Handelssystem die Fonds aus - einmal die Woche wird umgeschichtet.
Der Profianleger hat keine Angst, dass ihm einmal die Trends ausgehen könnten. "Es gibt immer Zeiten, in denen bestimmte Branchen oder Länder einen besonderen Boom erleben - in den 80er-Jahren waren es japanische Immobilienaktien, in den 90ern Technologie- und Internetwerte, bis vor Kurzem Rohstoffe, Energie oder die Bric-Länder Brasilien, Russland, Indien und China. Diese Trends wollen wir natürlich nicht verpassen." Allerdings möchte Willert auch schnell aussteigen, sobald ein Trend dreht. Rund um die Uhr gleicht die Datenbank den aktuellen Fondswert mit dem Stoppkurs ab - fällt er darunter, folgt das Signal zum Ausstieg.
Lange Zeit waren die Kapitalmärkte für Willert nur ein Hobby. Er studierte Soziologie und Öffentlichkeitsarbeit, machte Public Relations für den Möbelkonzern Ikea und gründete eine Werbeagentur. Mit dieser Agentur erstellte er Fonds-Factsheets für C-Quadrat. Die manuell ausgefüllten Infoblätter enthielten viele Fehler, also programmierte Willert eine Datenbank, mit der sich die Factsheets vollautomatisiert erstellen ließen. Diese Datenbank nutzte Willert auch für seine privaten Fondsgeschäfte, die C-Quadrat abwickelte. Seiner Kundenbetreuerin fiel auf, dass er sehr erfolgreich handelte - so erfolgreich, dass ihm C-Quadrat 2003 anbot, das Management eines Fonds zu übernehmen. Zahlreiche weitere Mandate folgten.