Frank Ulrich Montgomery, Chef des Marburger Bundes, droht mit einem großen Ärztestreik
Mitten in die Weihnachtszeit mit ihren Lichterketten und Adventssternen will Montgomery zahlreiche kommunale Krankenhäuser durch Streiks lahm legen. Und wenn die Arbeitgeber weiterhin auf dem bestehenden Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes und geplanten Honorarkürzungen beharren, hält er den Extremforderungen entgegen: Lohnerhöhungen um 30 Prozent.
Montgomery ist Überzeugungstäter. Wortgewaltig prangert er die desolate Lage der Kliniken an, die "finanzielle Katastrophe" und das "Ausbluten der Krankenhäuser". Er schlägt sich auf die Seite der Jungmediziner, die "erbärmlich" bezahlt werden und unter der Klinikhierarchie - "einem altertümlichen Feudalprinzip" - leiden.
Arzt, durch und durch
Montgomery ist Arzt, durch und durch: Als Sohn einer Hamburger Hausärztin und eines britischen Offiziers heiratete er eine niedergelassene Ärztin. Er arbeitete sich vom Assistenzarzt zum Oberarzt hoch, war Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und wurde 1989 zum Vorsitzenden der Ärztegewerkschaft Marburger Bund gewählt.
Zwar wirft ihm die Konkurrenzgewerkschaft Verdi vor, den Teamgeist in den Krankenhäusern durch standespolitische Alleingänge zu gefährden. Doch bei solcher Kritik bleibt Montgomery gelassen. Bei allem, was er tue, beteuert der Sozialdemokrat, habe er immer das Wohl der Patienten im Sinn. Und dabei scheut er auch nicht vor Kritik am eigenen Berufsstand zurück.
An den Pranger stellt er etwa die "Profiteure" des Systems, die im "Tanz um das goldene Kalb des Privatpatienten" ihr Geld verdienen. Aus ethischen Gründen spricht er sich gegen die Sterbehilfe und Klonen zu Forschungszwecken aus. So überrascht es nicht, dass die Bundesärztekammer den Vater von zwei Kindern zum ersten Beauftragten für Menschenrechte ernannte.
Bei dem 53-jährigen Mann mit Schnurrbart und Brille kann man es sich nur schwer vorstellen, dass er noch ein Leben neben seiner Berufung zum Arzt pflegt. Doch es reicht ein Blick auf seine Webseite, um sich davon zu überzeugen, dass Montgomery auch die angenehmen Seiten des Lebens zu schätzen weiß: "Ein Aufenthalt an der Universität in Sydney galt zwar formal als Auslandsstudium. In Wirklichkeit aber habe ich dort mehr das Leben als die Medizin studiert," heißt es dort. Und so resümiert er zuversichtlich: "Zusammenfassend betrachte ich mich als einen glücklichen Menschen."