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Merken   Drucken   21.05.2009, 12:00 Schriftgröße: AAA

Frauen in der Wirtschaft: Knallharte Verhandlungspartnerin

Weibliche Chefs haben es häufig nicht einfach. Noch dazu, wenn man ihnen nicht zutraut, die richtigen Entscheidungen zu treffen. von Scheherazade Daneshku (Paris)
Es war eine einschneidende Erfahrung für Fatine Layt: 15 aufgebrachte Arbeiter in ärmellosen Westen stürmen 1996 in ihr Büro in Aix-en-Provence. Sie erklären der damals 29-jährigen Chefin, dass sie sich von einer Frau nichts vorschreiben lassen, schon gar nicht von einer aus Paris.
"Sie waren sehr wütend, und es war mein erstes Treffen mit ihnen", erzählt Layt, die damals für Apax Partners arbeitete. Die Private-Equity-Firma hatte Layt beauftragt, den Verlag CEPP, an dem Apax einen Kontrollanteil besaß, zu sanieren. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich mich nicht mit Leuten unterhalte, die kein Hemd tragen. Sie sollten sich erst anziehen, dann würde eine Besprechung stattfinden. Das haben sie dann auch getan", so Layt.
Stärke zeigen
Layts Argument: "Sehr oft stellt Geschäft ein Autoritätsproblem dar. Einige Menschen besitzen von Natur aus Autorität, andere nicht. Es geht darum, als gerecht und stark angesehen zu werden. Und Stärke hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun."
Frauen müssen sich in Firmen noch immer stärker beweisen und sich ...   Frauen müssen sich in Firmen noch immer stärker beweisen und sich über knallharte Entscheidungen Respekt erarbeiten
Apax war nur eine Episode in der bemerkenswerten Laufbahn Layts, während der sie drei Beratungsunternehmen für Fusionen und Übernahmen (M&A) gegründet hat. Das letzte verkaufte sie vor sechs Monaten für einen ungenannten Betrag an den französischen Vermögensverwalter Oddo. Nun leitet Layt Oddos Sparte für Unternehmensfinanzierung und ist die einzige Frau im Vorstand.
Im Mai wurde sie für ihre Leistungen in der Finanzwelt zum Officier de la Légion d'Honneur ernannt. Außerdem wird sie als eine mögliche Nachfolgerin der jetzigen Justizministerin Frankreichs, Rachida Dati, gehandelt, die im Juni aus dem Amt scheidet. Zu den Spekulationen schweigt Layt.
Musikalisches Migrantenkind mit Hang zur Wirtschaft
Geboren wurde Layt in Casablanca, aufgewachsen ist sie Frankreich. Ursprünglich strebte sie eine Karriere als Cellistin an und besuchte dazu das Konservatorium in Paris. Sie kam aber zu dem Schluss, dass sie nie gut genug sein würde, und sattelte auf ein Studium der Finanzen an der renommierten Hochschule Sciences Po um.
Businessvorbild Carly Fiorina, Ex-Chefin von Hewlett-Packard   Businessvorbild Carly Fiorina, Ex-Chefin von Hewlett-Packard
Um ihren Studentenkredit abzubezahlen, nahm Layt eine Stelle als Anleihehändlerin an. Die Arbeit reizte sie nicht. Als schließlich der Mathematiker Jean-Charles Naouri sie fragte, ob sie für seinen Private-Equity-Fonds Euris arbeiten wolle, nahm sie das Angebot an. "Ich war 22 Jahre alt und bereit für ein Abenteuer. Dort habe ich alles gelernt, was nicht in den Lehrbüchern steht: über die französische Unternehmenswelt, über die Hebel der Macht, Taktik, wie alles funktioniert", sagt Layt.
Mit 25 erstmals Chefin
Anfangs wurde sie entsendet, um in Unternehmen, an denen Euris beteiligt war, Probleme zu lösen. Mit 25 dann wurde ihr erstmals die Führung eines Unternehmens übertragen - des Verlags EPA. "Während meiner Zeit bei Euris habe ich viele Wirtschaftsführer kennengelernt. Das hat mir später sehr geholfen", so Layt.
Die Leute arbeiteten gern mit ihr, weil sie ihnen Verantwortung übertrage, sagt sie. "Ich behalte nicht alles für mich. Wenn man den Leuten, mit denen man arbeitet, vertraut und sie immer weiter anschiebt, können sie eine Menge leisten. Wenn man Leuten keine Verantwortung überträgt, dann laufen die Dinge auch nicht."

Teil 2: Layt gründete ein Firma ohne Kredit - lesen Sie weiter.

  • FTD.de, 21.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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