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Merken   Drucken   29.04.2005, 15:12 Schriftgröße: AAA

Freiwillige aus dem Mittelstand vor  

Viele deutsche Mittelständler schrecken noch davor zurück, das IFRS-Regelwerk freiwillig einzuführen. Der Schritt würde sich aber oftmals lohnen. Die neuen Standards sollen Unternehmen zudem besser vergleichbar machen. von Hubert Beyerle
Schrecken für den Mittelstand - die neuen IFRS-Bilanzregeln.   Schrecken für den Mittelstand - die neuen IFRS-Bilanzregeln.
Börsennotierte Mid Caps sind oft unzureichend mit den seit Januar 2005 geltenden internationalen Buchführungsregeln IFRS vertraut. Auch bei der Umsetzung der neuen Standards liegen sie weit zurück. Das ergab eine aktuelle Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC). Trotz der ernüchternden Bilanz erwarten Experten, dass selbst Firmen, die nach wie vor ein Wahlrecht zwischen den Bilanzierungsvorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB) und dem neuen Regelwerk haben, langfristig auf die IFRS umstellen werden. "Die IFRS bieten vor allem für große und stark wachsende mittelständische Unternehmen deutliche Vorteile", sagt Thomas Dräger, Partner bei PwC.
Kosten der Bilanzumstellung schrecken
Noch schrecken allerdings viele deutsche Unternehmen davor zurück. Das liegt vor allem an den Kosten der Umstellung. Denn in vielen Fällen müssen EDV-Systeme und Prozesse der Informationsbeschaffung angepasst werden. Zudem lassen sich einige Regeln, die durch die Grundidee der "fair presentation" geprägt sind, nur schwer umsetzen. Zum Beispiel sind bei einer Auftragsfertigung Erlöse gemäß des Fertigungsgrads zu realisieren, was eine funktionierende Kostenrechnung erfordert. Viele Firmen sichern sich mittels Finanzderivaten gegen schwankende Zinsen oder Wechselkurse ab. Wenn diese nicht börsengehandelt sind, ist die Ermittlung des "fair value", des aktuellen Werts des Derivates, aufwändig.
Nicht umsonst denkt man beim International Accounting Standards Board (IASB) über abgespeckte Standards für ungelistete Unternehmen nach. Derzeit wird ein Entwurf des IASB für den Mittelstand diskutiert, der im Jahr 2007 in Kraft treten könnte. Dem IASB schwebt eine Art "IFRS light" vor. Das Regelwerk soll sich an den Bedürfnissen der Adressaten von Abschlüssen mittelständischer Unternehmen orientieren. Berater und Wirtschaftsprüfer gehen daher davon aus, dass sich der Mittelstand langfristig mit dem Thema befassen muss, und raten Unternehmen, schon jetzt freiwillig die neuen internationalen Standards einzuführen.
IFRS ist mehr als eine technische Umstellung
Insbesondere Firmen, die international tätig sind, dürften Grund dazu haben. "In den USA achten auch schon einmal Geschäftspartner auf einen Abschluss nach IFRS, wenn sie an einer langfristigen Bindung interessiert sind", sagt Dräger. In anderen Ländern Europas wird die Einführung der IFRS als nationaler Standard erwogen, etwa in Tschechien und selbst in Russland. Wer da an Kooperationen denkt, kommt um die internationalen Bilanzstandards kaum herum. Wer einen Börsengang oder die Finanzierung über eine Unternehmensanleihe plant, muss sich ohnehin anpassen. Zudem liegt eine Umstellung für diejenigen Mittelständler nahe, die mangels Nachfolger an einen Verkauf an eine Private-Equity-Gesellschaft denken.
Fachleute rechnen damit, dass die Finanzierung über den anonymen Kapitalmarkt auch in Deutschland wichtiger werden wird. Von den Banken kommt allerdings noch kein Druck in Richtung IFRS. Für sie tut es noch das alte HGB. So überrascht es kaum, dass einige Bankenverbände kürzlich erklärt haben, die Einführung der IFRS nicht forcieren zu wollen. Wer sich aber von den Kreditinstituten unabhängig machen will, muss sich nach den Ansprüchen des Kapitalmarkts an die Transparenz der Buchführung richten. Die IFRS-Implementierung ist für viele Mittelständler also mehr als nur eine technische Umstellung. Sie müssen mehr Informationen preisgeben, als sie bislang gewohnt sind. Das fällt manch einem nicht leicht.
  • FTD.de, 29.04.2005
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