Fritz Kuhn
Einer der Grünen-Grundsätze stoppte 2002 die steile Parteikarriere Kuhns. Er musste den Parteivorsitz, den er im Juni 2000 übernommen hatte, aufgeben, weil damals bei der Umweltpartei noch die Unvereinbarkeit von Mandat und Parteiamt bestand. Kuhn entschied sich für das Mandat. In der Fraktion gab es nur leider nicht viel zu tun für den ehemaligen Parteichef.
Als Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit der Fraktion wurde es ruhig um Kuhn. Nachdem Rückzug Ludger Volmers übernahm den Posten des außenpolitischen Sprechers - immerhin ein kleiner Aufstieg. Richtig da war Kuhn aber erst wieder, als er den Wahlkampf für seine Partei managte.
Mit seiner Wahl ist der Bruch in seiner Parteikarriere vorerst gekittet. Kuhn spielte bereits auf Landes- und Bundesebene in vorderster Linie mit. 1992 verhandelte er in Baden-Württemberg vergeblich über die Bildung einer schwarz-grünen Koalition. Nach der Abwahl der Kohl-Regierung gehörte er zu den Grünen, die den Koalitionsvertrag mit der SPD aushandelten. Kuhn war für die Finanzpolitik verantwortlich.
Als Parteivorsitzender gelang es ihm gemeinsam mit Renate Künast die Parteizentrale zu stärken. Vorausgegangen war eine Serie von herben Niederlagen bei Landtagswahlen.
Ungeliebt aber geachtet
Geliebt wird Kuhn von seiner Partei trotz seiner Erfolge nicht. Der zum realpolitischen Flügel zählende Baden-Württemberger gilt als Intimus Joschka Fischers. Im vergangenen Jahr erregte er den Unmut der Fraktion, als er eine Abkehr vom strikten Sparkurs forderte. Der Vorstoß war offenbar mit Fischer abgesprochen.
Dass Kuhn über politisches Talent verfügt, bestreitet aber niemand bei den Grünen. Bei Personalspekulationen fiel sein Name in der Vergangenheit sehr häufig. Nun hat Kuhn vorläufig das Optimum bei den Grünen erreicht. Mehr als einen der beiden Plätze an der Fraktionsspitze hat die Umweltpartei derzeit nicht zu verteilen.