Im Medienranking von FTD Online hat Siemens-Chef Klaus Kleinfeld so viele Plätze gut gemacht wie kein anderer deutscher Topmanager. Nur ein Name fällt in der Wirtschaftspresse momentan noch häufiger. von Jennifer Tiede
Die Top Ten der meistgenannten Dax-Vorstände
Kleinfelds Abstand zum Spitzenreiter der FTD-Wirtschaftliga ist jedoch marginal. Nur sieben Mal erwähnten Journalisten den DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche im Juli häufiger als Kleinfeld, der auf 187 Nennungen in der deutschen, österreichischen und schweizerischen Presse kam. Während Zetsche damit drei Plätze im Ranking gutmachen konnte, kletterte Kleinfeld vom 19 auf den zweiten Platz empor.
Für die Rangliste von FTD Online wertet der Nachrichtendienstleister Factiva rund 150 deutschsprachige Tageszeitungen, Magazine und Nachrichtenagenturen aus. Alle acht Wochen entsteht so eine Liste der in der Wirtschaftspresse meistgenannten Dax-Manager.
Klaus Kleinfeld hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt
Kleinfeld muss sich bewähren
Hintergrund für das starke Interesse der Medien an Kleinfeld ist der von ihm forcierte Konzernumbau. Der Chef des größten deutschen Industriekonzerns eilt von einer Baustelle zur nächsten; getrieben von ehrgeizigen Zielen, an die er seine persönliche Zukunft geknüpft hat: Bis zum kommenden April will der Siemens-Chef in allen Geschäftssparten hohe Renditeerwartungen der Investoren befriedigen.
Nach dem Verkauf des verlustreichen Siemens-Handygeschäfts an den taiwanesischen Hersteller BenQ und der angekündigten Auflösung der krisengeschüttelten Kommunikationssparte Com fordern Anleger und Analysten nun beim IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS) radikale Schritte. Das Sorgenkind des Konzerns meldete im abgelaufenen Quartal tiefrote Zahlen – zum zehnten Mal in Folge.
Rang 11-20: Vorstände der im Dax gelisteten Unternehmen
Panke macht neun Plätze gut
Komfortabler dagegen die Position von BMW-Vorstandschef Helmut Panke, der bei seinen voraussichtlich letzten großen Auftritt für den Autohersteller verkündete: "2006 wird das bisher erfolgreichste Jahr der Konzerngeschichte." In der FTD-Wirtschaftsliga stieg er um neun Plätze auf den dritten Rang. Schlagzeilen machte, dass Panke nur aufgrund seines Alters seine Führungsposition räumen muss.
Nachfolger ist der bisherige Produktionsvorstand Norbert Reithofer. Der 50-Jährige tritt am 1. September das Amt des Vorstandsvorsitzenden an, nur einen Tag nach Pankes 60. Geburtstag. Den Gepflogenheiten des Konzerns zufolge sollen Führungskräfte mit Erreichen dieser Altersgrenze ausscheiden. Panke hatte allerdings auf eine Vertragsverlängerung gehofft.
Rang 21-30: Vorstände der im Dax gelisteten Unternehmen
Er habe 24 Jahre lang bei BMW "Spaß und Freude an den Aufgaben" gehabt und "mehr als zehn gute Jahre im Vorstand" verbracht, sagte er in dieser Woche bei Vorlage der Halbjahreszahlen. "Dieses Gefühl werde ich auch nach dem 31. August haben." Was er nun vorhat, ließ der scheidende Vorstandschef offen. Seine Mandate in den Verwaltungsräten von Microsoft und UBS wird er jedenfalls erst einmal weiter ausüben.
VW-Chef zählt zu den Absteigern
Hickhack um seine Vertragsverlängerung hat auch Bernd Pischetsrieder hinter sich. Über Wochen hatte dieses Thema die Wirtschaftspresse beherrscht und den Volkswagen-Chef auf den Spitzenplatz des Rankings gehievt. Mit einem neuen Fünf-Jahres-Vertrag in der Tasche ist es nun ruhiger um ihn geworden. Im Juli kam er nur noch auf den vierten Platz der Wirtschaftsliga.
Abwärts ging es im Juli zudem für den Chef der Deutschen Börse: Reto Francioni fiel vom zweiten auf den zwölften Platz zurück. Der Manager versucht seit Monaten, die Euronext-Aktionäre von den Vorteilen eines Zusammengehens mit den Deutschen zu überzeugen. Das Vorhaben stagniert jedoch. Bezeichnenderweise verlor der Frankfurter Börsenbetreiber bei Vorlage der jüngsten Bilanzdaten kein Wort mehr zur erhofften Übernahme der vom Finanzplatz Paris dominierten Mehrländerbörse. Der Vorstand der Euronext favorisiert eine Fusion mit der weltgrößten Börse New York Stock Exchange und will sich bald für eine der zwei Offerten aussprechen.
Zu den Absteigern des Monats zählte darüber hinaus Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, der vom sechsten auf den 17. Platz abrutschte. Noch stärker verloren im Medienranking nur Deutsche-Post-Manager Klaus Zumwinkel (Platz 19) und Adidas-Chef Herbert Hainer (Platz 22). Schlusslicht des Rankings war Ben Lipps von Fresenius Medical Care.
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