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Merken   Drucken   04.09.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

Führungskräftealltag: Mit oder ohne schnellen Geschäftsabschluss?

Geschäftsführer sind im Schnitt nicht länger als 4,4 Jahre bei einer Firma angestellt. Und auch wenn das ein statistischer Wert ist: Den meisten bleibt wenig Zeit für wirklich bahnbrechende Veränderungen. von Sabine Meinert 
Was passiert, wenn ein Unternehmen einen neuen Geschäftsführer bekommt? - Es weht ein frischer Wind durchs Haus. Die meisten CEOs werden extra angestellt, um Veränderungen und Umstrukturierungen in Gang zu setzen. Viele wollen sich zudem möglichst schnell beweisen.
Wenn der neue CEO kommt, wird häufig auch die Strategie überdacht   Wenn der neue CEO kommt, wird häufig auch die Strategie überdacht
Eine Studie des Mergers and Acquisitions Research Centre an der Cass Business School in London macht nun deutlich, wie sehr die neu-angestellten Unternehmenschefs den Kurs einer Firma beeinflussen und welche Strategie am erfolgreichsten ist. Das Forschungsteam untersuchte dabei das erste Amtsjahr von CEOs anhand der Geschäftsabschlüsse.
Zuschlagen - aber nur einmal
Nur den wenigsten Geschäftsführern gelang in den ersten zwölf Monaten überhaupt ein großer Deal. Den Wissenschaftlern zufolge war ein umfangreicher Strategiewechsel in vielen Fällen aber ein echter Vorteil. Signifikant ist dabei die Zahl der Geschäftsabschlüsse. Wer einen Abschluss 0im ersten Jahr unterzeichnen konnte, war langfristig erfolgreicher. Wer dagegen mehr als einen Geschäftsabschluss auf seiner Liste hatte, verzeichnete schon bald nach dem ersten Jahr eine schlechtere Geschäftsleistung. Offenbar hatten sich diese Geschäftsführer übernommen.
Insgesamt wollten die Geschäftsführer in ihrer "Frischlingszeit" lieber neue Felder betreten und Investitionen wagen, als Werte zu veräußern, um den Unternehmenserfolg zu sichern. Eine Mehrheit entschied sich laut Studie für "Mergers und Acquisitions".
Was hilft beim ersten wichtigen Deal?
Die Cass-Wissenschaftler gingen zudem der Frage nach: Welche Rahmenbedingungen steigern die Chancen, dass ein frisch ins Amt berufener CEO einen wichtigen Geschäftsabschluss unterzeichnet? Folgende Bedingungen eröffnen die besten Möglichkeiten:
  • wenn der Geschäftsführer einen Vorgänger ersetzt, der "ausgemustert" wurde (Art der Nachfolge)
  • wenn der Geschäftsführer aus einer Reihe externer Bewerber angestellt wurde (Art der Einstellung)
  • wenn der Aktienkurs vor der Anstellung des Geschäftsführers unterhalb der Erwartungen blieb (Betriebsleistung)
  • wenn das Unternehmen über einen hohen Prozentsatz an institutionellen Investoren verfügt (Unternehmensführung)
Scott Moeller, Leiter des M&A Centre in Cass, dazu: "Ein neuer Geschäftsführer weiß, dass er diese Stelle nicht ewig bekleiden wird. Er verfügt über einen begrenzten Zeitraum, um seinen Einfluss geltend zu machen. Ein kleiner Geschäftsabschluss mag dazu nicht ausreichen. Wenn er Eindruck in der Industrie hinterlassen möchte und beabsichtigt, die Firmenlandschaft zu verändern, so muss er dies schnell tun."
Die richtige Motivation
Zumal die Studie zeigt, dass Geschäftsführer, die schnell einen wichtigen Deal abschließen, auch in den nachfolgenden Jahren leistungsstärker sind. Sie beeinflussen die Strategie und den Erfolg des Unternehmens deutlich stärker als andere. "Dass die zu diesem frühen Zeitpunkt vorgenommenen Fusionen und Übernahmen die größeren Erfolgsaussichten haben, liegt darin begründet, dass sie offenbar aus der richtigen Motivation heraus getätigt wurden", erklärt Moeller.
Konzentriert sich ein neuer Firmenboss dagegen darauf, Unternehmensteile zu verkaufen, kann er lediglich in den ersten zwei Jahren gegen Kollegen mit Hang zu Übernahmen und Investitionen punkten. Mittel- und langfristig lag die Performance dagegen hinter den Abschlussfreudigen, so die Studie. Für die Unternehmensstrategie sind Verkäufe - sprich Geldspritzen - damit nur kurzfristig von Bedeutung, als "quick-fix".
Deutsche vor erstem Deal eher zögerlich
Im internationalen Vergleich agieren die Geschäftsführer recht unterschiedlich. So sind Geschäftsführer deutscher Firmen vorsichtiger. Sie sind vor ihrem ersten wichtigen Geschäftsabschluss zögerlicher als die in der Studie ebenfalls untersuchten Amtskollegen in Spanien, Großbritannien oder Frankreich. Deutsche CEOs haben auch ein höheres Durchschnittsalter, wenn sie ihre Jobs antreten. Dafür sind sie aber auch länger angestellt als die europäischen Kollegen.
Britische CEOs sind dagegen erfolgsorientierter als die anderen. Sie forcieren einen Geschäftsabschluss innerhalb des ersten Jahres deutlich stärker als Geschäftsführer vom Kontinent. Französische Chefs setzen dagegen - anders als die anderen drei Nationen - eher auf Verkauf und Zerschlagung als auf Investition und Ausbau. Am ehesten relaxt gehen spanische CEOs ihren Job an: Sie haben im Verhältnis zu den europäischen Kollegen die kürzesten Bürozeiten.
Die Studie der Cass Business School der City University London, untersuchte 276 wichtige Geschäftsabschlüsse in 171 Unternehmen zwischen 1997 und 2009, die von Geschäftsführern in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien im ersten Jahr ihrer Anstellung eingeleitet wurden. www.cass.city.ac.uk
  • FTD.de, 04.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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