Führungswechsel:Volkswagen muss Seat-Chef austauschen
Volkswagen muss den Chef seiner spanischen Tochter Seat auswechseln. Erich Schmitt, 62, verlasse den Posten aus gesundheitlichen Gründen und übernehme eine andere Aufgabe im Konzern, teilte der niedersächsische Autobauer mit. von Kristina Spiller (Hannover) und Heinz-Roger Dohms (Hamburg)
Nachfolger Schmitts, unter dem Seat 2007 nach etlichen Verlustjahren erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben hatte, wird der Brite James Muir. Der 50-Jährige leitete zuletzt das Europageschäft des Konkurrenten Mazda.
Der Abgang Schmitts trifft das frühere Sorgenkind des VW-Konzerns in einer kritischen Phase. Seat hatte zuletzt wie praktisch alle Autobauer mit Absatzproblemen zu kämpfen. Allerdings schreibt Wolfsburg die Schwierigkeiten in erster Linie der allgemeinen Flaute zu - und nicht etwa Schmitt. Der ehemalige Audi-Manager habe in Spanien vielmehr "einen guten Job gemacht" und der Tochter "etliche Fehler ausgetrieben", heißt es im Konzern. So habe Schmitt die Modelle und die Produktion deutlich verbessert. Schmitt, der Oktober 2006 dem glücklosen Andreas Schleef gefolgt war, habe "Seat deutlich nach vorne gebracht", ließ VW-Chef Martin Winterkorn am Mittwoch per Pressemitteilung ausrichten.
Brite mit Deutschlandbezug: James Muir
Im Gegensatz zum Einkaufsspezialisten Schmitt gilt Nachfolger Muir vor allem als Vertriebs- und Marketingexperte. Auf mittlere Sicht sei der Brite eine gute Wahl, weil es die unter Schmitt verbesserten Modelle neu zu positionieren gelte, verlautete am Mittwoch aus der Branche. In der Vita Muirs fällt vor allem der starke Deutschlandbezug auf. In den 80er-Jahren studierte Muir in Manchester deutsche Sprache und deutsche Literatur. Sein erster Managementjob führte ihn dann tatsächlich in die Bundesrepublik: Er baute ein Vertriebsnetz für einen englischen Porzellanhersteller auf.
1994 wechselte Muir zur britischen Tochter des US-Autobauers Ford, wo er bis 2001 diverse Leitungspositionen innehatte - zuletzt als Marketingchef. Danach ging er zum japanischen Konkurrenten Mazda, wo er 2003 den Europavertrieb übernahm und zwei Jahre später schließlich zum Vorsitzenden von Mazda Europe aufstieg. Offiziell übernimmt Muir den Chefposten bei Seat zum 1. September dieses Jahres. Allerdings fängt er schon Anfang April bei der VW-Tochter an, um sich an der Seite Schmitts einzuarbeiten.
Seat gehört seit 1986 zu VW - und diente trotz meist roter Zahlen schon Managern wie Utz Claassen (später EnBW-Chef) oder Bernd Pischetsrieder (später VW-Chef) als Sprungbrett. Schmitt startete seine Autokarriere bei General Motors, bevor er 1992 als Einkaufschef der Tochter Audi zu Volkswagen kam. Darüber hinaus leitete er ab 1997 das China-Geschäft von Audi. Welchen neuen Posten Schmitt im Unternehmen übernimmt, teilte VW nicht mit.
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