Das Management des Auslandsgeschäfts gilt als besonders anspruchsvoll, weil es mit vielen Reisen und einem hohen Führungsaufwand verbunden ist. Eine sehr enge Führung der Einheiten gilt als wichtiges Prinzip der Discounter. Branchenveranstaltungen besuchen Lidl-Manager wie Kaudewitz deshalb nicht. "Kaudewitz hat Veranstaltungen mit der Industrie gemieden und sich auf sein Geschäft konzentriert", heißt es bei Lidl. Lidl erwirtschaftete 2007 16 Mrd. Euro im Ausland, insgesamt kam das Unternehmen auf Erlöse von 29,2 Mrd. Euro.
Die Lidl-Spitze war erst im vergangenen Oktober neu geordnet und der Vorstand erweitert worden. Damals musste Wilfried Oskierski nach nur zwei Jahren den Chefsessel räumen und für den als besonders linientreu beschriebenen Karl-Heinz Holland Platz machen. Im Zuge dessen übernahmen die Lidl-Manager Veit Weiland und Hans Christoph Templin die Verantwortung für das Auslandsgeschäft. Oskierski soll unter anderem vorgeworfen worden sein, sich gegen eine Neuordnung dieses Geschäfts gesträubt zu haben.
Kaudewitz war ursprünglich Manager bei der strikt getrennt geführten Lidl-Schwester Kaufland. Beide gehören zur Schwarz-Gruppe und damit dem Imperium von Dieter Schwarz, der mit 11 Mrd. Euro zu den reichsten Deutschen gehört. Das Kaufland-Management hatte Kaudewitz seinerzeit nur ungern der Discount-Schwester überlassen. Doch Kaudewitz bestand auf dem Wechsel.