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Merken   Drucken   26.02.2009, 21:31 Schriftgröße: AAA

Fürs Auslandsgeschäft: Lidl verpflichtet neuen Vorstand

Exklusiv Die Discountgruppe Lidl baut die Führung ihres Auslandsgeschäfts aus. Ab 1. April wird dafür nach FTD-Informationen Patrick Kaudewitz in den Vorstand aufrücken und dort als drittes Mitglied des Gremiums für das internationale Geschäft verantwortlich sein. von Petra Schlitt (Hamburg)
Das Unternehmen lehnte auf Nachfrage einen Kommentar ab. Der 42-jährige Kaudewitz hat sich beim Aufbau von Lidls Geschäft in Irland verdient gemacht. Obwohl Lidl im Jahr 2000 ein Jahr nach dem Konkurrenten Aldi sein Geschäft in Irland gestartet hat, ist das Unternehmen nach Angaben des Branchenanalysten Matthias Queck vom Marktforschungsinstitut Planet Retail dort mit über 100 Filialen inzwischen doppelt so groß wie Aldi. Noch pendelt Kaudewitz zwischen Dublin und der Lidl-Zentrale in Neckarsulm. Ein Nachfolger an der Spitze von Lidl in Irland ist mit dem vom irischen Vorzeigehändler Superquinn abgeworbenen Kenneth McGrath aber bereits gefunden.
Die Personalie zeigt, für wie dringlich der größte europäische Discounter derzeit die Expansion im Ausland hält. Bislang agiert Lidl im europäischen Ausland erfolgreicher als Erzrivale Aldi. Doch Lidls Wachstumspläne waren zuletzt ins Stocken geraten. Vor allem in Südosteuropa fehlt es Lidl noch an kritischer Größe. Aus Teilen Skandinaviens musste sich der Discounter zurückziehen. Nach dem gerade erfolgten Eintritt in die Schweiz umfasst Lidls internationales Geschäft 22 Länder. Dazukommen sollen demnächst Rumänien, Bulgarien und Zypern.
Das Management des Auslandsgeschäfts gilt als besonders anspruchsvoll, weil es mit vielen Reisen und einem hohen Führungsaufwand verbunden ist. Eine sehr enge Führung der Einheiten gilt als wichtiges Prinzip der Discounter. Branchenveranstaltungen besuchen Lidl-Manager wie Kaudewitz deshalb nicht. "Kaudewitz hat Veranstaltungen mit der Industrie gemieden und sich auf sein Geschäft konzentriert", heißt es bei Lidl. Lidl erwirtschaftete 2007 16 Mrd. Euro im Ausland, insgesamt kam das Unternehmen auf Erlöse von 29,2 Mrd. Euro.
Die Lidl-Spitze war erst im vergangenen Oktober neu geordnet und der Vorstand erweitert worden. Damals musste Wilfried Oskierski nach nur zwei Jahren den Chefsessel räumen und für den als besonders linientreu beschriebenen Karl-Heinz Holland Platz machen. Im Zuge dessen übernahmen die Lidl-Manager Veit Weiland und Hans Christoph Templin die Verantwortung für das Auslandsgeschäft. Oskierski soll unter anderem vorgeworfen worden sein, sich gegen eine Neuordnung dieses Geschäfts gesträubt zu haben.
Kaudewitz war ursprünglich Manager bei der strikt getrennt geführten Lidl-Schwester Kaufland. Beide gehören zur Schwarz-Gruppe und damit dem Imperium von Dieter Schwarz, der mit 11 Mrd. Euro zu den reichsten Deutschen gehört. Das Kaufland-Management hatte Kaudewitz seinerzeit nur ungern der Discount-Schwester überlassen. Doch Kaudewitz bestand auf dem Wechsel.
  • Aus der FTD vom 27.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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