Ich komme: Alan Greenspan ist seit seinem Abgang bei der Fed in den Medien sehr präsent
Gesprächiger GreenspanGreenspan selbst ist seit seinem Abgang bei der US-Notenbank Fed höchst aktiv und in den Medien sehr präsent. Neben seinem Engagement bei Paulson arbeitet er noch für die Deutsche Bank sowie für die Allianz-Tochter Pimco und kommentiert regelmäßig das Marktgeschehen. So äußerte er sich am Dienstag gegenüber dem "Wall Street Journal" zur Gefahr einer Rezession in den USA. Diese Gesprächigkeit ist ein erstaunlicher Gegensatz zu seiner Zeit als Fed-Chef. Knapp zwei Jahrzehnte lang musste er jedes Wort, das er in der Öffentlichkeit sprach, abwägen. Während seiner Zeit an der Spitze der US-Notenbank (1987 bis 2006) konnte jede unbedacht offene oder falsch verstandene Äußerung des als "Magier der Märkte " gefeierten Zentralbankers Währungen abstürzen oder Aktienkurse explodieren lassen.
Bei aller Sympathie, die Greenspan noch genießt, stößt sein Verhalten nicht überall auf Verständnis. Einige meinen, er solle sich mehr zurückhalten, um seinem Nachfolger, Ben Bernanke, nicht ins Handwerk zu pfuschen. Zumal einige bereits spötteln, dass Bernanke an seiner ersten Bewährungsprobe zu scheitern drohe und Greenspan die US-Häusermarkt- und Hypothekenkrise viel besser im Griff gehabt hätte.
Für David Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment und langjährigen Beobachter der Fed, hat Greenspans sehr ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis auch sein Gutes. "Er nutzt sich ab, und die Märkte werden ihn immer mehr als das sehen, was er ist: ein Mann mit großer Kompetenz, mehr aber auch nicht", sagte der Volkswirt. Tatsächlich mag Greenspan immer noch viel Gespür haben, das er mit rund 150.000 $ pro Vortrag und als Berater für die Allianz-Tochter Pimco und die Deutsche Bank entsprechend vermarktet. Aber er sitzt eben nicht mehr an den Schalthebeln der Macht.