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Merken   Drucken   15.01.2008, 12:37 Schriftgröße: AAA

Greenspan geht unter die Hedge-Fonds-Manager

Hedge-Fonds und Alan Greenspan? Das ist seit jeher eine freundschaftliche Beziehung. Jetzt heuert der ehemalige Chef der US-Notenbank beim Hedgefonds-Manager Paulson an. Der hat in der Subprime-Krise richtig Gewinn gemacht. von Tobias Bayer (Frankfurt)
In seiner Autobiographie "The Age of Turbulence - Adventures in a New World" (deutscher Titel: "Mein Leben für die Wirtschaft") bezeichnet der ehemalige Fed-Präsident die Finanzinvestoren als "emsige Biene der Wall Street" und hält jede Diskussion über eine stärkere staatliche Aufsicht für "bedauerlich": "Jede staatliche Einschränkung der Aktivitäten von Investmentfonds würde jene Risikobereitschaft drosseln, die ein wichtiger Beitrag der Hedge-Fonds zur globalen und speziell zur US-Wirtschaft ist". Ab Dienstag bleibt es nicht mehr bei bloßen Worten, die Freundschaft wird offiziell: Greenspan wird laut "Wall Street Journal" Berater beim Hedge-Fonds Paulson.
Zwei Magier finden zueinander
Die Verbindung ist nicht ohne eine gewisse Ironie: Mancher Kritiker macht Greenspan für die US-Hypothekenkrise verantwortlich. Wegen seiner zu laxen Geldpolitik habe sich die Immobilienblase gebildet, die jetzt platze. Hedge-Fonds-Manager und künftiger Greenspan-Arbeitgeber John Paulson wiederum ist einer der größten Profiteure der Marktturbulenzen. Mit Wetten gegen den Häusermarkt soll er selbst zwischen 3 und 4 Mrd. $ verdient haben.
Paulson gilt als streitbarer Charakter. So scharte er 25 weitere Hedge-Fonds um sich und machte mobil gegen die US-Investmentbank Bear Stearns. Der Vorwurf: Bear Stearns habe in Schwierigkeiten geratene Gläubiger unterstützt, indem die Bank Hypotheken zurückkaufte. Durch diese Transaktion habe Bear Stearns den Kreditderivatemarkt manipuliert, an dem sich Anleger quasi gegen den Ausfall von Schuldnern versichern können. Viele Hedge-Fonds hatten über sogenannte Credit Default Swaps auf den Bankrott von Hypothekenschuldnern gewettet und wähnen sich nun um Ausfallzahlungen der Banken betrogen. Paulson misstraut nicht nur den Banken, sondern auch seinen Anlegern. So soll er Software verwenden, die Investoren daran hindert, seine Newsletter weiterzuleiten.
Ich komme: Alan Greenspan ist seit seinem Abgang bei der Fed in den ...   Ich komme: Alan Greenspan ist seit seinem Abgang bei der Fed in den Medien sehr präsent
Gesprächiger Greenspan
Greenspan selbst ist seit seinem Abgang bei der US-Notenbank Fed höchst aktiv und in den Medien sehr präsent. Neben seinem Engagement bei Paulson arbeitet er noch für die Deutsche Bank sowie für die Allianz-Tochter Pimco und kommentiert regelmäßig das Marktgeschehen. So äußerte er sich am Dienstag gegenüber dem "Wall Street Journal" zur Gefahr einer Rezession in den USA. Diese Gesprächigkeit ist ein erstaunlicher Gegensatz zu seiner Zeit als Fed-Chef. Knapp zwei Jahrzehnte lang musste er jedes Wort, das er in der Öffentlichkeit sprach, abwägen. Während seiner Zeit an der Spitze der US-Notenbank (1987 bis 2006) konnte jede unbedacht offene oder falsch verstandene Äußerung des als "Magier der Märkte " gefeierten Zentralbankers Währungen abstürzen oder Aktienkurse explodieren lassen.
Bei aller Sympathie, die Greenspan noch genießt, stößt sein Verhalten nicht überall auf Verständnis. Einige meinen, er solle sich mehr zurückhalten, um seinem Nachfolger, Ben Bernanke, nicht ins Handwerk zu pfuschen. Zumal einige bereits spötteln, dass Bernanke an seiner ersten Bewährungsprobe zu scheitern drohe und Greenspan die US-Häusermarkt- und Hypothekenkrise viel besser im Griff gehabt hätte.
Für David Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment und langjährigen Beobachter der Fed, hat Greenspans sehr ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis auch sein Gutes. "Er nutzt sich ab, und die Märkte werden ihn immer mehr als das sehen, was er ist: ein Mann mit großer Kompetenz, mehr aber auch nicht", sagte der Volkswirt. Tatsächlich mag Greenspan immer noch viel Gespür haben, das er mit rund 150.000 $ pro Vortrag und als Berater für die Allianz-Tochter Pimco und die Deutsche Bank entsprechend vermarktet. Aber er sitzt eben nicht mehr an den Schalthebeln der Macht.
  • FTD.de, 15.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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