Die traditionsreiche Kasinobetreiberfamilie Fertitta übernimmt in absehbarer Zeit die vollständige Kontrolle über die Glücksspielkette Station Casinos. Der Abschluss ist knapp 9 Mrd. $ wert. von Jennifer Lachman (New York)
Wie am Montag bekannt wurde, hat Station Casinos, das im Großraum Las Vegas zwölf Spielhallen betreibt, einer Übernahme durch die eigenen Topmanager, die gleichzeitig Nachfahren des Konzerngründers Frank Fertitta junior sind, zugestimmt.
Gemeinsam mit dem Immobilieninvestor Colony Capital haben Aufsichtsratschef Frank Fertitta III und sein Bruder Lorenzo, Präsident von Station Casinos, ein Angebot in Höhe von 5,4 Mrd. $ oder 90 $ pro Aktie vorgelegt. Da die Fertitta-Brüder, denen bereits jetzt rund 26 Prozent der Aktien gehören, zudem Konzernschulden in Höhe von rund 3,4 Mrd. $ übernehmen wollen, hat der Abschluss einen Gesamtwert von rund 8,8 Mrd. $.
Frank J. Fertitta III.
Wie das Unternehmen in einem Schreiben mitteilte, können innerhalb der nächsten 30 Tage noch andere Interessenten ein Gebot abgeben. Analysten halten dies jedoch für unwahrscheinlich. "Den Preis, den die Fertitta-Brüder und Colony Capital bieten, finde ich angemessen", sagt etwa Smedes Rose, Analyst bei Calyon Securities. Im Geschäftsjahr 2005 hatte Station Casinos seinen Gewinn auf rund 162 Mio. $ mehr als verdoppeln können, in den letzten sechs Jahren hat sich der Aktienkurs mehr als versiebenfacht. Bereits im Dezember hatte die Gruppe um die beiden Fertitta-Brüder ein Angebot von 82 $ pro Aktie vorgelegt; Aktionäre hatten die Offerte jedoch als zu niedrig kritisiert. Auf die Ankündigung am Montag reagierte die Börse hingegen positiv: Bis zum Mittag legte das Papier um mehr als vier Prozent auf 86,66 $ zu.
Die Übernahme von Station Casinos ist der jüngste Abschluss in der Glücksspielbranche, in der sich die Übernahmen und Zusammenschlüsse häufen. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg wurden allein im vergangenen Jahr Abschlüsse mit einem Gesamtwert von mehr als 25 Mrd. $ vorgeschlagen oder realisiert. Erst vor zwei Monaten hatte Harrah's Entertainment für 17,1 Mrd. $ einer Übernahme durch die Investorengesellschaften Apollo Management und Texas Pacific Group zugestimmt. Colony Capital hatte vor seiner Offerte für Station Casino ein Angebot für den Kasinobetreiber Aztar vorgelegt, der in Las Vegas und Atlantic City die Tropicana-Spielhallen betreibt.
Mit Station Casinos wechselt eine traditionsreiche Glücksspielkette wieder in private Hände: Frank Fertitta junior hatte seine erste Spielhalle 1976 eröffnet, mit rund 100 Spielautomaten und einer Snackbar. Seit 1993 ist das Unternehmen börsennotiert. Nach der nun geplanten Übernahme erwartet Analyst Smedes Rose keine großen Änderungen: "Die beiden Fertitta-Brüder haben sich einer Reihe langfristiger Projekte im Großraum Las Vegas verpflichtet."
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