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Merken   Drucken   17.05.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

Gründerhilfe: Wenn Konzerne Startups ein Sprungbrett bieten

Innovative Firmengründer bringen oft mehr Leben in eine Branche als mancher Blue Chip mit umfangreichem Entwicklungsmanagement. Um am Ball zu bleiben, fördern technologieorientierte Konzerne wie Microsoft deshalb die Business-Neulinge mit Potenzial. von Sabine Meinert 
Deutschland als High-Tech-Standort hat schon bessere Zeiten erlebt. Und auch wenn die Zahl der gründungswilligen Software-Entwickler im vergangenen Jahr deutlich zugelegt hat: Insgesamt ist die Zahl der Neugründungen im High-Tech-Bereich mickrig - mit rund 15.000 liegt sie in etwa auf dem Stand von Mitte der 90er, fand das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heraus.
Vor allem, weil viele sich nicht mehr in forschungsintensive Industrien wie die Medizintechnik trauen und die Mehrzahl der Startups zunächst als Ein-Mann-Unternehmen ins Rennen geht, scheint der Beitrag der High-Tech-Gründer zum Innovationsgeschehen in Deutschland gering. Doch tatsächlich mischen die Startups mit ihren ungewöhnlichen Ideen und neuen Ansätzen oft ganze Branchen auf. Denn wo die Kleinen sich mit kreativer Energie und Flexibilität an völlig Neues wagen, kämpfen die Großen häufig nur noch gegen starre Strukturen und eingefahrene Prozesse, an deren Ende zu wenig Output für den Aufwand steht. Dies ist zunehmend der Grund für manchen Branchenprimus, über den Tellerrand auf das Treiben bei den Newcomern zu schauen - und sie sogar zu fördern.
Impulse für die Branche
Der Software-Konzern Microsoft zum Beispiel hat sich auf die Fahnen geschrieben, nicht hinnehmen zu wollen, dass Deutschland hinter seinen innovativen Möglichkeiten zurück bleibt - und will so gleichzeitig das eigene Geschäft zu befeuern. Deshalb fördert das Unternehmen mit seiner Gründerinitiative "unternimm was." ambitionierte Startups in den harten Anfangsmonaten, bietet Knowhow und Kontakte. Der Konzern sieht die High-Tech-Jungunternehmer als Impulsgeber für die Software-Branche, wie für die Gesamtwirtschaft und will so Innovationsstandorte stärken. Derzeit werden 35 High-Tech-Gründer betreut.
Blick auf die Website von MobileBits   Blick auf die Website von MobileBits
Karsten Wysk ist einer von ihnen. Seine Idee: eine Entwicklerplattform, die es ermöglicht, Online-Spiele für verschiedene Betriebssysteme zu entwickeln. Die Game-Entwickler in der boomenden Spielebranche müssen also nicht für jedes Betriebssystem neu zu programmieren, sondern nur einmal aufsetzen - um es auf Smartphones, PCs oder Spielekonsolen jeder Art zum Laufen zu bringen. Erstmals präsentierte Wysk mit seiner Firma MobileBits die Delta Engine genannte Entwicklung im Frühjahr auf der Cebit.
Tue Gutes und rede darüber
Stephan Jacquemot, Leiter der Microsoft-Gründerinitiative, zeigt sich nicht nur begeistert, weil die Multiplattform-Idee hauseigene Technologie nutzt, sondern es vor allem ermöglicht, mobile Anwendungen kostengünstig und schnell zu entwickeln. Das Gründerteam von MobileBits versilbert diesen Vorteil über den Lizenzverkauf, entwickelt aber auch noch eigene Spiele. "Die Förderung hilft uns im Moment in der Öffentlichkeitsarbeit. Sowohl die Entwickler als auch die User und Kunden werden auf uns aufmerksam." Zudem könne die Firma über die Kontakte, die bei Messen und Events mithilfe von Microsoft entstünden, internationaler werden, breiter aufstellen.
Wenn Wysk darüber nachdenkt, findet er aber einen guten Ruf unter den Programmierern im Moment am wichtigsten. Denn der Boom in der Spielebranche stellt MobileBits derzeit vor massive Mitarbeiterprobleme. "Wenn wir jemandem einen Job oder ein Praktikum anbieten, weil wir gut zu tun haben, wird er meist von größeren Firmen mit einem finanziellen Bonus weggekauft. Da können wir noch nicht mithalten. Wir müssen mit Enthusiasmus und unserem Ruf als Innovationstreiber punkten. Deshalb hilft jede Menge Publicity und der Hinweis auf den Deutschen Entwicklerpreis, den wir schon eingeheimst haben."

Teil 2: Welche Erfahrungen und Erfolgsgeschichten die Initiative birgt.

  • FTD.de, 17.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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