Bratz und Kranz sind mit anderen Droege-Beratern seit November bei dem weltgrößten Türschlosslieferanten aktiv, um Einsparmöglichkeiten zu erarbeiten. Durch den Vorstandsumbau wollen Kiekerts neue Eigner die Restrukturierung forcieren. Die Londoner Hedge-Fonds Blue Bay und Silver Point sowie die Investmentbanken Morgan Stanley und Deutsche Bank hatten sich im Oktober 2006 auf die Kontrollübernahme bei Kiekert geeinigt. Kiekerts Aufsichtsrat sitzt seit Kurzem Hedge-Fonds-Manager Nikolaus Woloszczuk von Mehrheitsgesellschafter Blue Bay vor. Zudem gehören dem Gremium noch Christian Petersmann von Silver Point und Betriebsratsvorsitzender Siegfried Kronenberg an.
Seit 2005 in Schwierigkeiten
Der hoch verschuldete Zulieferer war Ende 2005 in Schwierigkeiten geraten. Daraufhin kauften zunächst Deutsche Bank und Silver Point nachrangig besicherte Kredite auf, um die Eigner - die britische Beteiligungsfirma Permira und Alteigner Hans Werner Sterzenbach - herauszudrängen.
Nach monatelangen Verhandlungen hieß es im Oktober, Blue Bay und Morgan Stanley übernähmen 57,5 Prozent der Eigenkapitalanteile, Deutsche Bank und Silver Point 42,5 Prozent. Inzwischen ist die Deutsche Bank aber aus dem Konsortium ausgestiegen, angeblich wegen Konflikten mit anderen Mitgliedern.
Die neuen Eigner wollen nun die laufende Kostensenkung verschärfen. Vor allem der erst im Februar 2006 abgeschlossene Standortsicherungsvertrag ist ihnen ein Dorn im Auge. Der bis 2009 laufende Vertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen aus und sieht eine Zielbelegschaft von 1350 Beschäftigten am Heimatstandort vor, gegenüber 1500 derzeit. Dafür verzichten die Mitarbeiter auf Urlaubsgeld und Tariferhöhungen.
Im Januar teilte jedoch die Kiekert-Führung IG Metall und Betriebsrat mit, notfalls werde die gesamte deutsche Produktion ins Ausland verlagert. "Dadurch hat die Glaubwürdigkeit der Geschäftsführung sehr gelitten", sagte Betriebsrat Axel Husemann der FTD. Die Mitarbeiter stellten durch ihren Verzicht jährlich 6 Mio. Euro zur Verfügung. "Zu weiteren Zugeständnissen ist die Belegschaft nicht bereit."
Vorstandschef Wolfgang Theis wollte sich dazu mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht äußern. Es gehe nicht nur um die Produktionsverlagerung, sondern auch um Einsparungen im Einkauf.