Henning Kagermann, SAP-Chef, begeistert die Investoren mit seinen Prognosen und Visionen
Doch bei Kagermann ist immer etwas möglich. Und so gibt er noch schnell ein ungeplantes Interview, zwischen Anmeldetisch und Büfett, um einen regionalen Fernsehsender zufrieden zu stellen.
Er ist ein disziplinierter Arbeiter - analytisch, präzise. Jemand, der Probleme schnell erkennt und Lösungen entwickelt. Und das lässt Kagermann Zeit, auch über das Tagesgeschäft hinaus zu denken, Perspektiven zu entwerfen. Bis 2010 reicht die Vision von
SAP heute. Ein Großteil des Umsatzes soll dann mit neuen Produkten gemacht werden, die das Unternehmen jetzt erst entwickelt oder gerade auf den Markt bringt.
Bereits 1982 kam Kagermann zu SAP, seit 1998 war er mit Hasso Plattner Co-Vorstandssprecher. Allein führt er den Softwarekonzern seit 2003. Eine schwere Zeit. Nach dem Ende des Dotcom-Booms haben die Unternehmen die Ausgaben für Informationstechnik reduziert. Auch SAP litt unter der Investitionszurückhaltung. Mit einer klaren technologischen Vision konnte Kagermann das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen.
Effizienter Manager
Er war der Richtige, die gewachsenen Strukturen zu optimieren und Schwachstellen zu eliminieren. Große ebenso wie kleine: Nutzen wirklich nur SAP-Mitarbeiter das kostenlose Kantinenessen? Werden externe Mitarbeiter effektiv eingesetzt? Muss Businessclass geflogen werden? Gespart hat Kagermann dort, wo es nicht an die Substanz ging. In Forschung und Entwicklung wurde weiter investiert.
Kagermann hat sich nicht gedrückt. Harte Wahrheiten sprach er klar aus: SAP muss sich in der Profitabilität messen mit den größten Softwarekonzernen der Welt - mit Microsoft und Oracle. Er kann auch nicht ignorieren, dass die gut ausgebildeten Programmierer in Indien und Osteuropa billiger sind. Deshalb baut SAP seine Standorte in Billiglohnländern aus.
Ebenso effizient, wie er das Geschäft managt, schirmt Kagermann sein Privatleben ab. Bekannt ist, dass sich der Vater dreier Töchter gern auf Wanderungen in der Schweiz und beim Malen erholt. Weil er einmal den Namen Deep Purple fallen ließ, gilt er als Fan dieser Rock-Combo, was ihn nervt. "Ehrlich gesagt", so Kagermann, "finde ich es besser, wenn man zwischen Firma und Privatem trennt."
Seit acht Quartalen steigen die Softwareverkäufe mit zweistelligen Wachstumsraten. Der Vorsprung vor der Konkurrenz wächst kontinuierlich. "Wir haben geliefert, was wir versprochen haben", ist einer der Lieblingssätze Kagermanns, wenn es um die neue Technologieplattform geht, die SAP bis 2007 fertig gestellt haben will. Etwas anderes käme für ihn wohl auch nicht in Frage.