Hintergrund:Der letzte Paukenschlag von "Mister Premiere"
Vom Holzfällersohn über den Skilehrer zum Medienmanager: Der scheidende Premiere-Chef Georg Kofler war lange vom Erfolg verwöhnt. Spätestens mit seiner Niederlage im Bundesliga-Poker erhielt Koflers strahlendes Image jedoch Kratzer.
Für Überraschungen war der scheidende Premiere-Chef Georg Kofler schon immer gut: Erst vor kurzem hatte er sich mit dem Rückkauf der Bundesliga-Übertragungsrechte vom Konkurrenten Arena eindrucksvoll zurückgemeldet. Dann warf er überraschend hin. Nun sucht Kofler eine neue Herausforderung.
An der Börse sorgte die Nachricht von Koflers Rücktritt prompt für einen vorbörslichen Kursrutsch der Premiere-Aktie. Auch wenn sich die Papiere am Vormittag wieder leicht erholten, dürften die Anleger den Weggang des umtriebigen Südtirolers mit Skepsis sehen.
Scheidender "Mister Premiere": Georg Kofler
Seinen Ruf als erfolgsverwöhnter Medienmanager hatte sich Kofler zunächst mit dem Aufbau des Privatsenders ProSieben und als Teleshopping-Pionier erworben. 2002 wurde er Geschäftsführer des Bezahlsenders Premiere. Das Unternehmen hatte mit seinen Milliardenverlusten einst für den Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch gesorgt. Nicht wenige sprachen von einem "Himmelfahrtskommando".
"Ich will innerhalb weniger Wochen Mister Premiere werden, so wie ich früher Mister ProSieben war", hatte Kofler zu seinem Amtsantritt getönt. Kofler sanierte den Abosender und führte ihn 2005 an die Börse.
"Eure Gebete wurden erhört"
Doch die Erfolgsstory erhielt Kratzer, als Premiere Ende 2005 nach einem spektakulären Bietergefecht die Live-Rechte für die Fußball-Bundesliga an den Konkurrenten Arena verlor und der Aktienkurs zeitweise um mehr als zwei Drittel absackte. Doch weil der Erfolg bei Arena ausblieb, witterte Kofler wieder Morgenluft. Premiere holte sich die Bundesliga bis 2009 zurück. "Eure Gebete wurden erhört. Die Bundesliga ist wieder zu Hause", wirbt der Sender seitdem für sein Fußball-Paket. Im kommenden Jahr will das Unternehmen netto 70 bis 100 Mio. Euro verdienen, 2007 dürfte es zumindest operativ deutlich schwarze Zahlen geben.
Kofler wurde 1957 im italienischen Pustertal geboren. Der Sohn eines Holzfällers und einer Fabrikarbeiterin war Stipendiat im Knabenseminar Vincentinum in Brixen und arbeitete in jungen Jahren als Skilehrer. Nach einem Publizistik-Studium in Wien startete er seine Karriere 1985 als persönlicher Referent des ORF- Generalintendanten. Zwei Jahre später holte Leo Kirch ihn als Büroleiter nach München. 1988 übernahm Kofler die Geschäftsführung des Fernsehsenders Eureka TV, der den Grundstein der heutigen Senderkette ProSiebenSat.1 bildete. Nun will Kofler Unternehmer werden, eine ganze Firmengruppe soll es werden. Das Geld dafür hat er sich mit Premiere-Aktien beschafft. Seine restlichen 1,23 Millionen Papiere brachten ihm in der vergangenen Woche etwa 23 Mio. Euro ein.
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