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Merken   Drucken   14.10.2008, 20:30 Schriftgröße: AAA

HRE-Aufsichtsrat: Hypo Real knöpft sich Funke vor

Der Aufsichtsrat der Hypo Real Estate (HRE) geht auf Konfrontation zu dem kürzlich zurückgetretenen Vorstandschef Georg Funke und dem Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen. von Rolf Lebert (Frankfurt)
Die am Tropf von Staat und Kreditwirtschaft hängende Bank hat der Anwaltskanzlei Milbank Tweed Hadley McCloy den Auftrag erteilt, "das Vorliegen etwaiger Pflichtverletzungen" des früheren Vorstandschefs Funke und des Vorstandsmitglieds Heide-Ottosen zu untersuchen.
Vom Ergebnis dieser Untersuchung werden nicht nur mögliche strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch die Ausbezahlung der Bezüge der beiden Vorstände nach der Auflösung ihrer Dienstverhältnisse abhängen. Funke stünde sein Ruhegehalt von 560.000 Euro pro Jahr nur dann sofort zu, wenn sein Vertrag ohne eigenes Verschulden vorzeitig aufgelöst worden wäre. Andernfalls muss der 53-Jährige bis zur Vollendung des 60. Lebensjahrs warten.
Funkes Verhalten nach der am 28. September offen ausgebrochenen Krise hatte ihm harsche Kritik vom Bundesfinanzministerium und von der Bundesfinanzaufsicht BaFin eingebracht. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte mehrfach seinen Rücktritt gefordert, insbesondere, nachdem die HRE  eine Woche nach ihrer ersten Rettung eine weitere Geldspritze in zweistelliger Milliardenhöhe benötigte.
Georg Funke, Ex-Hypo Real Estate Chef   Georg Funke, Ex-Hypo Real Estate Chef
Insgesamt pumpten Bundesbank und Kreditwirtschaft 50 Mrd. Euro in die Immobilienbank. Davon werden 35 Mrd. Euro vom Bund garantiert. Nachdem Funke zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wegen einer Liquiditätsspritze vorstellig geworden war, schrieb ein Beamter der BaFin an Steinbrück: "Ich habe unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass diese Fehlinformationspolitik Konsequenzen haben wird."
Der BaFin, die normalerweise Bankvorstände wegen Fehlverhaltens abberufen kann, waren in diesem Fall die Hände gebunden. Funke war Vorstandschef der HRE-Holding, die kein Bankgeschäft betreibt und nur Steuerungsfunktionen wahrnahm. Deshalb unterlag sie nicht der Zuständigkeit der Bankenaufsicht. Finanzkreise erwarten, dass diese Aufsichtslücke im Zuge der Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise geschlossen wird.
Am vorigen Freitag trat auch Aufsichtsratschef Kurt Viermetz zurück. Axel Wieandt von der Deutschen Bank  und Kai Wilhelm Franzmeyer von der Commerzbank  zogen in den Vorstand der HRE ein. Den Aufsichtsrat leitet vorerst Klaus Pohle. Dieser sagte am Dienstag: "Im Interesse des Unternehmens und aller Beteiligten hat sich der Aufsichtsrat zu dieser im Ergebnis offenen Untersuchung durch eine unabhängige, renommierte Kanzlei entschlossen."
Parallel haben Aktionärsschützer bei der Staatsanwaltschaft München Strafantrag gegen HRE-Vorstände gestellt. Es gebe mehrere Verdachtsmomente auf Rechtsverstöße, sagte Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
  • Aus der FTD vom 15.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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