Dirk Jens Nonnenmacher
Seit Wochen schon hat sich Nonnenmacher über allerlei Interna geärgert, die über die schwer angeschlagene Landesbank in die Öffentlichkeit gesickert sind. Schlimm genug, dass die Bank in Schieflage geraten ist, da muss nicht auch noch der Eindruck erweckt werden, es herrsche Chaos an Bord. Nonnenmacher und sein Aufsichtsratschef Wolfgang Peiner vergleichen die Details mit den Informationen, die den Aufsichtsräten zur Verfügung stehen. Doch das passt nicht. Auch Vorstandssekretärinnen und die zweite Führungsebene können nicht in der Tiefe und Vollständigkeit Fakten und Diskussionsstände über die Rettungspläne für die HSH kennen, wie sie in die Öffentlichkeit gelangen.
Nonnenmacher ist klar: Es muss jemand aus dem Vorstand sein. Also setzt er sich mit seinem Chefjustiziar zusammen und heuert einen Detektiv an. Der hat schnell einen Plan parat: Er präpariert Vorstandsunterlagen mit dem neuen Strategieentwurf für die Bank in fünf verschiedenen Versionen; Nonnenmacher gibt sie den Vorstandskollegen - in geschlossenen Umschlägen. "Das waren minimale optische Veränderungen, die einem Normalmenschen niemals auffallen", sagt ein Beteiligter. Einige Tage später hört Nonnenmacher, dass die Unterlagen außerhalb der Bank zirkulieren, und besorgt sie sich. Wie genau, ist allerdings unklar.
Nonnenmachers Detektiv stellt schnell fest, dass es sich um Roths Version handelt. Noch einmal holt sich der 45-Jährige Rat, bei einem ehemaligen Oberstaatsanwalt, der inzwischen als selbstständiger Berater sein Geld verdient. Der empfiehlt Nonnenmacher, sofort den Aufsichtsrat zu informieren. Das geschieht am vergangenen Donnerstag, als das Präsidium des Gremiums eh zusammensitzt. Peiner lädt Roth vor, suspendiert ihn und lässt den 49-Jährigen sogleich aus dem Haus begleiten. Am Freitag legt die Bank noch einmal nach: Sie erstattet Strafanzeige gegen Roth wegen des "unbefugten Offenbarens von Geschäftsgeheimnissen" nach Paragraf 404 des Aktiengesetzes. Für James Bond wäre das sicherlich keine Option gewesen.