FTD.de » Management + Karriere » Management » Journalistisches Brainstorming für die Zukunft

Merken   Drucken   13.03.2010, 18:59 Schriftgröße: AAA

Ideenwettbewerb: Journalistisches Brainstorming für die Zukunft

Die Financial Times bat Journalisten und freie Autoren, Ideen und Entwicklungen zu benennen, die die Business-Welt im nächsten Jahrzehnt prägen werden. Hier einige ihrer Antworten.
Greentech, Energie-Effizienz, Jobhopper, demographischer Wandel, Schwellenländer im Aufwind - diese Stichworte beherrschen die Schlagzeilen, wenn es um die Zukunft geht. Doch welche Chancen sehen FT-Mitarbeiter? Wo könnte nach Meinung der Branchenbeobachter die neue, große Idee zu finden sein, die sich zur Cash-Cow der Zukunft entwickelt? Und vor allem: Welche gesellschaftlichen Umbrüche würde das mit sich bringen? Ein Exkurs.
In diesem Jahrzehnt werden die Menschen später in Rente gehen. Das kommt nicht überraschend. Von Großbritannien bis Griechenland verschiebt sich das Renteneintrittsalter nach hinten. Hinzu kommen niedrige Zinsen und das Aussterben von Leistungen wie Betriebsrente. Immer weniger Menschen haben mit 65 ausreichend Rücklagen, um das Alter genießen zu können. Sie werden stattdessen arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen.
Verlieren ältere Arbeitnehmer den Job, gründen sie eher als ...   Verlieren ältere Arbeitnehmer den Job, gründen sie eher als jüngere ein eigenes Unternehmen
Eine interessante - und möglicherweise umwälzende - Entwicklung ist dabei, dass offenbar immer mehr Menschen dies als Selbstständige tun wollen. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass jeder sechste Brite zwischen 46 und 65 etwas Neues anfangen möchte, anstatt in Rente zu gehen. Potenziell bedeutet dies bis zu einer Million neue Unternehmen in Großbritannien.
Zeit, Geld, Erfahrung und Kontakte
Geheimwaffen dieser Menschen werden ihre Erfahrung, ihre Abgeklärtheit und ihre Kontakte sein. Darüber hinaus haben sie wahrscheinlich auch mehr Zeit und Geld zur Verfügung als die derzeitigen Unternehmer. Wenn heute jemand ein eigenes Geschäft gründet, ist er meist zwischen 30 und 45 Jahre alt - also in einem Alter, in dem man meist auch junge Kinder und eine Hypothek hat. Die älteren Unternehmer dagegen haben diese Verpflichtungen meist hinter sich und dürften begierig darauf sein, mit Menschen aller Generationen in Kontakt zu bleiben ... sei es als Kunde, Partner, Lieferant oder Mitarbeiter.
Ich glaube, in den nächsten Jahren werden viele großartige Firmen gegründet. Die Generation 50+ könnte durchaus die Erholung der Wirtschaft anschieben.
Luke Johnson schreibt als Kolumnist für die Financial Times und führt die Beteiligungsgesellschaft Risk Capital Partners.
Um die Jahrtausendwende schienen die üblichen Regeln für eine Karriere aufgehoben. Junge Angestellte in den 20ern oder frühen 30ern kamen dank des Internetbooms zu teilweise enormem Status und Wohlstand. Das Platzen der Blase zeigte, dass dies nur eine Illusion war: Die Emporkömmlinge mussten zurück ins Glied. Doch ein Ende dieser Entwicklung ist absehbar. Viele Mitglieder der Generation X sind jetzt in den 30ern und Anfang 40 und sollten zwischen 2010 und 2020 den Höhepunkt ihrer Macht erreichen, gilt doch allgemein die Einschätzung, dass Büroangestellte ihren Zenit mit Ende 40 und Anfang 50 erreichen. Der durchschnittliche Chef eines FTSE-100-Unternehmens ist 52 Jahre alt.
Die Generation X befindet sich in der Wartschleife   Die Generation X befindet sich in der Wartschleife
Generation in der Warteschleife
Was bedeutet das für das Leben in den Unternehmen? Die Generation X gilt häufig als ironisch und distanziert, was sie nicht zu geborenen Anführern macht. Wird ihnen ihre entspannte Haltung helfen, besser mit Enttäuschung am Arbeitsplatz umzugehen? Schließlich könnte es der Generation X wie Prince Charles ergehen - die Babyboomer bleiben einfach länger an der Macht, die nachfolgende Generation dreht Warteschleifen.
Und von hinten drängen schon die Nächsten. Die Generation Y geht völlig natürlich mit Digitaltechnik um und zeigt wenig Begeisterung für Hierarchien. Der Abschwung hat sie ziemlich durchgeschüttelt, aber wenn sich diese Generation erholt, wird es für die Generation X schwieriger, endlich auf der Karriereleiter nach ganz oben zu kommen.
Adam Jones, FT-Unternehmensreporter
Das Scheitern war immer ein wesentlicher Bestandteil der Marktwirtschaft. Funktionieren die Märkte, dann vor allem deshalb, weil ständig neue Ideen ausprobiert werden. Aus den meisten wird nichts. Ideen, die sich durchsetzen, verdrängen ältere Ideen. In den USA verschwinden jedes Jahr rund zehn Prozent der Unternehmen. Eine erstaunliche Quote, aber "Trial and Error" könnte seinen ihm zustehenden Platz als Geschäftstechnik einnehmen und seinen Ruf als schmutziges kleines Geheimnis des Kapitalismus ablegen.
Kritik ist gut, besser ist: Aus Fehlern lernen - auch aus denen der ...   Kritik ist gut, besser ist: Aus Fehlern lernen - auch aus denen der anderen
Es gibt Anzeichen, die Hoffnung machen. Dank der Fortschritte in der Computertechnologie könne man inzwischen ganz selbstverständlich vieles ausprobieren und dabei mit vielen Fehlschlägen rechnen, sagt Stefan Thomke von der Harvard Business School. So ist es mittlerweile einfach, beispielsweise mit dem Layout einer Website zu experimentieren und die Ergebnisse in Echtzeit zu überwachen. Google bringt ständig neue als Beta-Version gekennzeichnete Produkte auf den Markt. Superstars der Wirtschaftswissenschaften wie Steven Levitt geben inzwischen Kurse zum Thema Experimentieren.
Trial-and-Error als konstruktives Verfahren
Wir wissen inzwischen auch besser Bescheid über die Psychologie des Lernens aus Fehlern. Der Verhaltenswissenschaftler Richard Thaler beschreibt die Gewohnheit des Menschen, kleinere Verluste mit großen Gewinnen in einen Topf zu werfen, um zu kaschieren, wie sehr der Verlust geschmerzt hat. Sich etwas schönzureden ist menschlich, führt aber dazu, dass wir nicht aus Fehlern lernen. Thaler hat mit Kollegen auch das Verhalten von Menschen in Spielshows untersucht und festgestellt, dass Teilnehmer, die eine schlechte Wahl getroffen haben, anschließend übermäßige Risiken eingingen und dadurch den ursprünglichen Fehler noch verschlimmerten.
Es ist schwer, aus Fehlern zu lernen, wenn er uns kurzfristig unsere Urteilskraft raubt. Während wir anfangen zu begreifen, warum Trial-and-Error ein so schmerzhafter Prozess ist, sind wir vielleicht auch in der Lage, dieses Verfahren konstruktiver anzuwenden. Die Finanzkrise hat uns gezeigt, dass ein System, das keinerlei Freiraum für Fehler lässt, ein gefährliches System ist. Die Vorstellung, eine Bank sei zu groß, als dass man sie scheitern lassen könne, klang einmal beruhigend. Das ist vorbei.
Tim Harford, FT-Autor
Die Schwellenländer im Aufbruch: Hier ein brasilianischer ...   Die Schwellenländer im Aufbruch: Hier ein brasilianischer Ureinwohner an einem Laptop
Dass die Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China eines Tages definitiv triumphieren werden, ist zum Allgemeinplatz geworden. Teilweise wird hier der Abend schon sehr vor dem Tag gelobt, dennoch sorgt die Bedrohung durch diese und andere Schwellenländer dafür, dass etablierte Firmen in gesättigten Märkten ihre Strategie überdenken. Am Horizont zeichnet sich eine ganze Flut neuer Wettbewerber ab, die mit erstaunlich günstigen Produkten und Dienstleistungen aufwarten kann. Die Alteingesessenen müssen effizienter werden und ihre Produktivität erhöhen. Deshalb wird man wohl in den kommenden Jahren immer wieder das Management-Mantra "Mehr mit weniger" hören.
Aber diese Idee findet nicht nur wegen der Konkurrenz aus den Entwicklungsländern Zulauf. Angesichts der Debatten über nachhaltig umweltfreundliches Wirtschaften müssen die Firmen auch buchstäblich mehr mit weniger produzieren, um die begrenzten Ressourcen des Planeten zu schonen.
Bessere Methoden, neue Technologien
Und es hört nicht bei der Privatwirtschaft auf. Massiv verschuldete Regierungen werden auch bei ihren Beamten den Rotstift ansetzen müssen. Politisch ist es unerlässlich, dass wesentliche öffentliche Dienstleistungen beibehalten und sogar verbessert werden. Doch genauso klar ist es, dass die Haushalte kleiner werden müssen. Die Quadratur des Kreises muss ernstlich versucht werden. Ist mehr mit weniger erreichen langfristig unmöglich? Nicht zwingend. Normalerweise lässt sich für fast alles eine bessere Methode finden. Neue Technologie eröffnet neue Möglichkeiten. Zudem ist der Mensch sehr anpassungsfähig.
Dennoch ist auch klar, dass es schädlich sein könnte, immer nur mehr mit weniger erreichen zu wollen. Das könnte zu einer Welt der "Permaarbeit" führen, in der unsere mobilen Geräte nicht nur ständig laufen, sondern auch ständig genutzt werden. Unter derartigen Bedingungen wird die Qualität der Arbeit nicht durchgehend hoch sein. Das Streben danach, mehr mit weniger zu erreichen, könnte dem ursprünglichen Zweck zuwiderlaufen.
Stefan Stern, FT-Management-Journalist
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Gründerwettbewerb enable2start
  • Trotz eines deutlichen Anstiegs der Umsätze sowie einer drastischen Reduzierung der Kosten ist das Startup noch lange entfernt von der Profitabilität. Das war geplant. Geplant waren allerdings auch 25 Bestellungen in 2011. mehr

  Fragen über Fragen Haben Sie gut aufgepasst 2011?

Welche Ratingagentur entzog den USA das "AAA"? Wie lautet die autorisierte Biografie von Steve Jobs? Haben Sie das Weltgeschehen in diesem Jahr nur sporadisch verfolgt oder sind Sie ein News-Junkie? Testen Sie Ihr Wissen im FTD-Quiz!

Mit Steve Jobs verstarb 2011 ein als Genie gefeierter Unternehmer. Wie lautet der Titel der von Walter Isaacson verfassten, autorisierten Biografie des Apple-Gründers?

Fragen über Fragen: Haben Sie gut aufgepasst 2011?

Alle Tests

  09.02. Kopf des Tages Shah Rukh Khan - Bollywood-Promi auf Eroberungstour
Kopf des Tages: Shah Rukh Khan - Bollywood-Promi auf Eroberungstour

Er hat mehr Fans als Brad Pitt und Johnny Depp zusammen. Doch wenn Indiens Star zur Berlinale kommt, geht es um Geschäft statt Glanz: Bollywood will die Welt erobern. mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote