Das Scheitern war immer ein wesentlicher Bestandteil der Marktwirtschaft. Funktionieren die Märkte, dann vor allem deshalb, weil ständig neue Ideen ausprobiert werden. Aus den meisten wird nichts. Ideen, die sich durchsetzen, verdrängen ältere Ideen. In den USA verschwinden jedes Jahr rund zehn Prozent der Unternehmen. Eine erstaunliche Quote, aber "Trial and Error" könnte seinen ihm zustehenden Platz als Geschäftstechnik einnehmen und seinen Ruf als schmutziges kleines Geheimnis des Kapitalismus ablegen.
Kritik ist gut, besser ist: Aus Fehlern lernen - auch aus denen der anderen
Es gibt Anzeichen, die Hoffnung machen. Dank der Fortschritte in der Computertechnologie könne man inzwischen ganz selbstverständlich vieles ausprobieren und dabei mit vielen Fehlschlägen rechnen, sagt Stefan Thomke von der Harvard Business School. So ist es mittlerweile einfach, beispielsweise mit dem Layout einer Website zu experimentieren und die Ergebnisse in Echtzeit zu überwachen. Google bringt ständig neue als Beta-Version gekennzeichnete Produkte auf den Markt. Superstars der Wirtschaftswissenschaften wie Steven Levitt geben inzwischen Kurse zum Thema Experimentieren.
Trial-and-Error als konstruktives Verfahren
Wir wissen inzwischen auch besser Bescheid über die Psychologie des Lernens aus Fehlern. Der Verhaltenswissenschaftler Richard Thaler beschreibt die Gewohnheit des Menschen, kleinere Verluste mit großen Gewinnen in einen Topf zu werfen, um zu kaschieren, wie sehr der Verlust geschmerzt hat. Sich etwas schönzureden ist menschlich, führt aber dazu, dass wir nicht aus Fehlern lernen. Thaler hat mit Kollegen auch das Verhalten von Menschen in Spielshows untersucht und festgestellt, dass Teilnehmer, die eine schlechte Wahl getroffen haben, anschließend übermäßige Risiken eingingen und dadurch den ursprünglichen Fehler noch verschlimmerten.
Es ist schwer, aus Fehlern zu lernen, wenn er uns kurzfristig unsere Urteilskraft raubt. Während wir anfangen zu begreifen, warum Trial-and-Error ein so schmerzhafter Prozess ist, sind wir vielleicht auch in der Lage, dieses Verfahren konstruktiver anzuwenden. Die Finanzkrise hat uns gezeigt, dass ein System, das keinerlei Freiraum für Fehler lässt, ein gefährliches System ist. Die Vorstellung, eine Bank sei zu groß, als dass man sie scheitern lassen könne, klang einmal beruhigend. Das ist vorbei.
Tim Harford, FT-Autor