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Merken   Drucken   11.01.2009, 20:36 Schriftgröße: AAA

Infineon: Schmiergeldskandal holt Schumacher ein

Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher holt die Vergangenheit ein: Die Staatsanwaltschaft München hat gegen den 50-Jährigen Anklage wegen Bestechlichkeit und versuchten Prozessbetrugs erhoben. von Angela Maier (München)
Das bestätigte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Freitag. Schumacher, inzwischen Chef des chinesischen Chipherstellers Grace, ließ die Vorwürfe dementieren: "Er hat nie auch nur einen Cent genommen", sagte sein Sprecher.
Die Ankläger legen dem 2004 geschassten Ex-Chef des Dax-Konzerns zur Last, er habe vom Schweizer Motorsportvermarkter Udo Schneider bis 2003 Bestechungsgelder von mehreren Hunderttausend Euro erhalten. Schneider war bereits 2006 wegen Bestechung und Untreue zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß und der Hauptzeuge der Staatsanwaltschaft in der Anklage gegen Ulrich Schumacher .
Ulrich Schumacher im April 2003   Ulrich Schumacher im April 2003
Schneider, ein langjähriger Geschäftspartner von Infineon , hatte in seinem Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe Schumacher, dessen Vorstandskollegen Andreas von Zitzewitz und zwei weitere Führungskräfte bestochen, um bei Infineon als Organisator von deren Motorsportsponsoring im Geschäft zu bleiben. Schneider organisierte für die Hobbyrennfahrer kostspielige Rennen, zahlte ihnen Reparaturen und buchte ihre Reisen. Die "Herren" seien "heiß" auf Autorennen gewesen, resümierte damals der Vorsitzende Richter.
Der Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs bezieht sich auf den Rechtsstreit zwischen Schumacher und Infineon. Nach seinem Rauswurf hatte Infineon die zweite Hälfte der 5,25 Mio. Euro umfassenden Abfindung einbehalten. Dagegen hatte Schumacher geklagt. Dass er dabei aussagte, er habe nie Gelder von Schneider erhalten, legt ihm die Staatsanwaltschaft jetzt als versuchten Prozessbetrug zur Last.
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Die Ermittlungen gegen Schumacher durch die Münchner Staatsanwälte, die durch die Korruptionsaffäre des ehemaligen Infineon-Mutterkonzerns Siemens schwer beschäftigt sind, haben sich über drei Jahre hingezogen. Ursprünglich war die Anklageerhebung für Anfang 2007 geplant gewesen. Schumachers früherer Vertrauter Zitzewitz vermied einen Prozess durch das Geständnis, er habe von Schneider mehr als 70.000 Euro erhalten. Dadurch kam er Ende 2006 mit einem Jahr auf Bewährung und einer Zahlung von 100.000 Euro davon. Seit Frühjahr 2008 ist er wieder beruflich aktiv - bei der Solartechnikfirma Conergy, wo er gerade in den Vorstand aufgestiegen ist.
Die Staatsanwaltschaft wirft Schumacher vor, von Schneider Bargeld in Briefumschlägen entgegengenommen zu haben. Die Klage soll auch Steuerhinterziehung umfassen. Schumachers Sprecher sagte, dass die Klage bei Schumachers Anwälten bislang nicht eingegangen sei. "Wir kennen die Klage nicht. Herr Schumacher sieht der weiteren Entwicklung gelassen entgegen, weil er volles Zutrauen in die deutsche Justiz hat."
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  • Aus der FTD vom 12.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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