Kostenfrage: Make or Buy?
Das liegt am Konstruktionsprinzip ihres Geschäfts. Sie verzichten auf dicke Margen. Der Kunde im Konzern zahlt zwar - aber meist nur einen internen Kostensatz ohne Gewinnaufschlag. 50 Prozent des McKinsey-Tagessatzes, lautet etwa eine Kalkulationsregel, die in der Branche angewendet wird. Mit solchen Preisen stechen die Hausberater die großen Marken vom Markt aus. "Unternehmen finden es bedeutsamer als früher, zu welchen Kosten Beratungsleistungen eingekauft werden", erläutert Richter. Deshalb werde die Entscheidung "make or buy?" öfter zugunsten des Selbermachens gefällt.
Dennoch muss niedriger Preis nicht billig bedeuten, die Hausberater bieten ein ordentliches Produkt. Das wird möglich durch eine Praxis, die schon Japan und China groß gemacht hat: Verwerte das gute Wissen Dritter. Viel vom Beratungs-Know-how, das die internen Einheiten der Konzerne anbieten, stammt aus bestem Hause. Roland Berger, McKinsey, PricewaterhouseCoopers (PwC), Deloitte oder Kienbaum zum Beispiel sind die geistigen Zulieferer. 50 Prozent der Mitarbeiter der Inhouse-Consulting-Einheiten sind Ehemalige eines großen Beratungshauses, erforschte Richter.
Ständig hohe Wissenszufuhr
Damit die Zufuhr neuen Consulting-Wissens nicht abreißt, setzen die internen Berater auf schnellen Personalumschlag. Die Mehrheit der Ratgeber macht den Job drei bis vier Jahre, wechselt ins Mutterhaus - und macht einem neuen Berater Platz. Überdies holen sich die internen Berater neues Wissen auch von den Kollegen vom Markt. Sie starten ein gemeinsames Projekt, hören genau zu, halten Projektplan, Vorgehensweise und Instrumente fest. Steht dann das nächste Projekt mit gleichem Inhalt an, ist der Beitrag des externen Beraters nicht mehr nötig. Einmal beauftragen, Wissen der Externen festhalten, künftig in Eigenregie arbeiten.
Auch die intellektuelle Ebbe bei den Großberatern vom Markt hilft den Hausberatern. "Die Standardmethoden sind allgemein bekannt, die Internen wenden dieselben Instrumente an wie die Externen", sagt Isabel Lausberg, Professorin an der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum und Ehemalige einer Inhouse-Consulting-Einheit. Zwar versuchen McKinsey, BCG und andere, mit neuen Konzepten, die sie exklusiv anbieten, einen Vorsprung zu erringen. Doch einen Durchbruch, der einem Markenberater ein temporäres Monopol auf einen neuen, guten Ansatz verschafft hätte, gab es lange nicht mehr. "Die Zeit der großen Ideen ist vorüber", stellt Beraterexperte Richter fest. Das schaffe Waffengleichheit am Markt.
Wenig Zeit, viel Ungeduld
Zudem profitieren die Internen auch vom Druck, der im Management herrscht. "Viel Zeit für neue Lösungen gibt es heute nicht", sagt Matthias Quaisser, Chef der hauseigenen Beratungseinheit bei IBM. Vorstände sind ungeduldig. Wenn sie ein Thema erkannt haben, wollen sie die Umsetzung am besten noch am selben Tag. Hier punkten die Konzernberater: "Wir können Markttrends sehr schnell in Transformationsprojekte umsetzen", berichtet Quaisser. Die Buchung des Auftrags ist unkompliziert, die Eingreiftruppe des Hausberaters ist schnell zur Stelle. "Der Kunde ruft an - ich komme", sagt Ex-Inhouse-Consultant Lausberg. Ein Tempo, das den Vorständen Freude bereitet.