In Zeiten der Krise ist Innovation gefragt. In Chefetagen wie Großraumbüros werden deshalb verstärkt Ideen weitergedacht, Produkte verbessert und neue Marken entwickelt. Wo die Reise hingeht, welche Tendenzen zu beobachten sind, diskutierten Gründer, Unternehmenslenker und Experten in München.
von Sabine Meinert
Innovation pur versprach das Programm, außerdem einen Blick in die Zukunft. Die Veranstalter hatten dafür neben dem klassischen Innovationsmanagement zum Beispiel das Thema Green Marketing in den Mittelpunkt gestellt - "the next big thing", wie sich Wirtschaftsfachleute einig sind. Doch wie kann man in der Anfangszeit von einem möglichen Hype profitieren? Wie stark wird die Krise den Sprung in neue Geschäftsfelder behindern? Serviceplan-Chef Florian Haller dazu: "Innovationen sind der einzig wirkliche Weg aus der Krise. Doch dies erfordert den Mut zu neuem Denken." Und warnte gleichzeitig: "Der Weg aus der Krise findet nicht über das Thema Kosten statt."
Claudia Langer von der Utopia AG plädierte in ihrem Vortrag für ein größeres Engagement für Nachhaltigkeit. Mit ihrer Online-Plattform beweist sie, dass nachhaltiges Wirtschaften längst nicht mehr unter "Nische" abgebucht werden kann, sondern inzwischen zum Massenphänomen wurde. Nachhaltigkeit wird mehr und mehr zum Qualitätsbegriff und Lifestyletrend, so Langer. Auch FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann sprach sich für ein stärkeres Engagement aus.
Unternehmen: Innovationstag - Hin zur Nachhaltigkeit (00:00:42)
Unter dem Motto "Marke X.0" beleuchteten Experten zudem, ob Imagefaktoren wie Werthaltigkeit einer traditionsreichen Marke wieder zum Aufschwung verhelfen können. Und in welcher Form kann kreative Werbung dazu beitragen? Wie muss sich die klassische Bewerbung von Marken zudem verändern?
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Kreativität. Wie wichtig das Suchen nach neuen Wegen und ungewöhnlichen Lösungen ist, erläuterte unter anderem Alexander Schill, der als Kreativ-Geschäftsführer der Serviceplan Gruppe jeden Tag neue Chancen für sein Unternehmen auslotet. Im Vordergrund stand in der Diskussion vor allem die Frage, wie Kunden emotional für Produkte gewonnen werden können.
Unternehmen: Innovationstag - Kreative Werbung oder was? (00:02:41)
Ebenso heiß diskutiert wurde die Frage, warum sich Marken etablieren können, die vom Verbraucher initiiert werden - Twitter etwa. Erich Joachimsthaler, Gründer und CEO von Vivaldi Partners und Harvard Dozent erläuterte dazu unter anderem seine Theorie, Marken ohne die Nutzung der Massenmedien aufzubauen. Die Firmen müssten zunehmend andere Wege finden, das Vertrauen der Verbraucher wieder aufzubauen. "Das wird in erheblichem Maße über digitale Kanäle geschehen müssen, über das Web, das Handy oder andere Endgeräte. Denn diese Geräte verbinden die Menschen untereinander, egal wo sie gerade sind. Wenn die Unternehmen ihre Budgets nicht entsprechend neu verteilen, weiter ausdifferenzieren und auf ein tiefes Verständnis der Kunden aufbauen, werden sie Marktanteile verlieren."
Unternehmen: Innovationstag - Innovationen in den Medien (00:03:11)
Auch die Medienbranche werde sich dementsprechend wandeln, waren sich die Fachleute einig. User Generated Content und neue technische Möglichkeiten, Zeitung zu lesen, Radio zu hören oder Bewegtbild zu rezipieren, stünden dabei im Vordergrund.
Für viele Wirtschaftslenker war auf dem Innovationstag in München auch das Thema "Einfluss durch die Politik" ein wichtiger Punkt. In der Diskussion stellte sich FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann hier den Fragen der 400 Teilnehmer. Er erwartet eine regelrechte Renaissance der Politik in den nächsten Jahren. Ihr Einfluss sei bereits gewachsen und den wollten die Politprofis sicher nicht mehr abgeben, sagte er. Die Politik werden und müsse aber vor allem die Infrastruktur für die neuen Entwicklungen schaffen. Dies sei der zyklischen Wirtschaftsentwicklung geschuldet, wie sie der russische Wissenschaftler Nikolai Kondratjew beschrieb.
Unternehmen: Innovationstag - Renaissance der Politik (00:05:25)
Neu war vielen Teilnehmern des Innovationstages das Thema Neuromarketing. Wie kann man die jüngsten wissenschaftlichen Ergebnisse aus Medizin und Medienbranche für die Kommunikationsplanung nutzen? Welche Effekte könnte dies auf Verkauf und Branding haben? Experten gaben mit der Neuro-Forschungsmethode Steady State Topography (SST) Einblick in dieses neue Feld. Damit werden bisher unsichtbare Zustände und Prozesse im Gehirn sichtbar gemacht, die für Entscheidungen zuständig sind. Gleichzeitig wird die Verbindung zu emotionalen Wahrnehmung deutlich. Ein interessanter Ansatz, mit dem Markenbotschaften optimiert werden können, fanden die Teilnehmer.
Da das Wachstum sich mehr und mehr von den entwickelten Märkten in Nordamerika und Europa hin zu den Schwellenländern verlagert, spielten in den Diskussionen der Teilnehmer des Innovationstages auch die Themen Expansion und Ethno-Marketing eine Rolle. Gerade kleinen und mittelständischen Unternehmern scheinen dies jedoch besonders riskante Schritte, zeigte sich in den Diskussionsrunden. Dennoch empfanden die meisten Entwicklungsschritte in dieser Richtung als essentiell. Wie Innovation insgesamt, so die Expertenrunde der Veranstaltung.
Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr
Der Online-Maßschneider Shirts on the Fly wollte angreifen und sein Sortiment erweitern. Doch dann entschied sich einer der beiden Gründer zum Ausstieg. Jetzt versucht Matthias Naumann allein, sein Startup auf Kurs zu bringen. mehr
Gründerin Chalwa Heigl gibt den Startschuss für ihre rollende Patisserie, die von München aus die Welt erobern soll. Zwei neue Standorte für die mobilen Gugl-Theken, die künftig auch Getränke an Bord haben, stehen fest. mehr
Sven-Oliver Pink freut sich über Fördergeld, mit dem er die Schultasche der Zukunft entwickeln will. Der Ergobag-Macher feiert auch den Einzug in die Finalrunde des Deutschen Gründerpreises - und die eigene Hochzeit. mehr
Anke Domaske arbeitet an neuen Marketingaktionen. Die Gründerin will eine stattliche Qmilch-Pressemappe inklusive Katalog und Imagespot erstellen. Ferner bereitet sie sich auf die nächsten Produktionstage vor. mehr
NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?
Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?
Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu
mehr
Ob beim Meeting im Büro oder beim Chillen nach Feierabend: Im Geschäftsleben gibt es viele Begriffe, die ein angehender CEO kennen sollte. Das FTD-Businesstalk-Lexikon stellt diese Wörter vor. Diesmal: "erfreulich" und "signifikant". mehr
Jahrelang kämpfte der Fotopionier Leica mit der Pleite - und den eigenen Versäumnissen. Nun ist die Legende wieder da. Was dafür nötig war? Viel Geld und viel Mut. mehr
Sie wird schon lange als ungerecht kritisiert. Kippt das Verfassungsgericht die Grundsteuer, bekommen Hausbesitzer Geld zurück - wenn sie sich gewehrt haben. mehr
Georg Adolf Solmssen war ein mächtiger deutscher Bankier. Ein paar Monate später war der Sprecher der Deutschen Bank nur noch ein rechtloser Jude - wovor er bereits frühzeitig gewarnt hatte. mehr
Sie sind oft Gegenstand des Streits zwischen Mieter und Vermieter: die Betriebskosten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt die Mieterrechte gestärkt (Az.: VIII ZR 245/11 und 246/11). Interview mit Ulrich Ropertz mehr
Je besser die Konjunktur, desto wechselfreudiger die Unternehmen: Jede sechste Vorstandschef in deutschen Großkonzernen wurde 2011 ausgetauscht. Ob sich der Trend angesichts der negativen Konjunkturbotschaften hält? mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!