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Merken   Drucken   25.09.2009, 12:54 Schriftgröße: AAA

Innovationstag: Trends für Marken entdecken

In Zeiten der Krise ist Innovation gefragt. In Chefetagen wie Großraumbüros werden deshalb verstärkt Ideen weitergedacht, Produkte verbessert und neue Marken entwickelt. Wo die Reise hingeht, welche Tendenzen zu beobachten sind, diskutierten Gründer, Unternehmenslenker und Experten in München. von Sabine Meinert 
Innovation pur versprach das Programm, außerdem einen Blick in die Zukunft. Die Veranstalter hatten dafür neben dem klassischen Innovationsmanagement zum Beispiel das Thema Green Marketing in den Mittelpunkt gestellt - "the next big thing", wie sich Wirtschaftsfachleute einig sind. Doch wie kann man in der Anfangszeit von einem möglichen Hype profitieren? Wie stark wird die Krise den Sprung in neue Geschäftsfelder behindern? Serviceplan-Chef Florian Haller dazu: "Innovationen sind der einzig wirkliche Weg aus der Krise. Doch dies erfordert den Mut zu neuem Denken." Und warnte gleichzeitig: "Der Weg aus der Krise findet nicht über das Thema Kosten statt."
Claudia Langer von der Utopia AG plädierte in ihrem Vortrag für ein größeres Engagement für Nachhaltigkeit. Mit ihrer Online-Plattform beweist sie, dass nachhaltiges Wirtschaften längst nicht mehr unter "Nische" abgebucht werden kann, sondern inzwischen zum Massenphänomen wurde. Nachhaltigkeit wird mehr und mehr zum Qualitätsbegriff und Lifestyletrend, so Langer. Auch FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann sprach sich für ein stärkeres Engagement aus.
Unternehmen: Innovationstag - Hin zur Nachhaltigkeit (00:00:42)
Unternehmen: Innovationstag - Hin zur Nachhaltigkeit (00:00:42)
Unter dem Motto "Marke X.0" beleuchteten Experten zudem, ob Imagefaktoren wie Werthaltigkeit einer traditionsreichen Marke wieder zum Aufschwung verhelfen können. Und in welcher Form kann kreative Werbung dazu beitragen? Wie muss sich die klassische Bewerbung von Marken zudem verändern?
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Kreativität. Wie wichtig das Suchen nach neuen Wegen und ungewöhnlichen Lösungen ist, erläuterte unter anderem Alexander Schill, der als Kreativ-Geschäftsführer der Serviceplan Gruppe jeden Tag neue Chancen für sein Unternehmen auslotet. Im Vordergrund stand in der Diskussion vor allem die Frage, wie Kunden emotional für Produkte gewonnen werden können.
Unternehmen: Innovationstag - Kreative Werbung oder was? (00:02:41)
Unternehmen: Innovationstag - Kreative Werbung oder was? (00:02:41)
Ebenso heiß diskutiert wurde die Frage, warum sich Marken etablieren können, die vom Verbraucher initiiert werden - Twitter etwa. Erich Joachimsthaler, Gründer und CEO von Vivaldi Partners und Harvard Dozent erläuterte dazu unter anderem seine Theorie, Marken ohne die Nutzung der Massenmedien aufzubauen. Die Firmen müssten zunehmend andere Wege finden, das Vertrauen der Verbraucher wieder aufzubauen. "Das wird in erheblichem Maße über digitale Kanäle geschehen müssen, über das Web, das Handy oder andere Endgeräte. Denn diese Geräte verbinden die Menschen untereinander, egal wo sie gerade sind. Wenn die Unternehmen ihre Budgets nicht entsprechend neu verteilen, weiter ausdifferenzieren und auf ein tiefes Verständnis der Kunden aufbauen, werden sie Marktanteile verlieren."
Unternehmen: Innovationstag - Innovationen in den Medien (00:03:11)
Unternehmen: Innovationstag - Innovationen in den Medien (00:03:11)
Auch die Medienbranche werde sich dementsprechend wandeln, waren sich die Fachleute einig. User Generated Content und neue technische Möglichkeiten, Zeitung zu lesen, Radio zu hören oder Bewegtbild zu rezipieren, stünden dabei im Vordergrund.
Für viele Wirtschaftslenker war auf dem Innovationstag in München auch das Thema "Einfluss durch die Politik" ein wichtiger Punkt. In der Diskussion stellte sich FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann hier den Fragen der 400 Teilnehmer. Er erwartet eine regelrechte Renaissance der Politik in den nächsten Jahren. Ihr Einfluss sei bereits gewachsen und den wollten die Politprofis sicher nicht mehr abgeben, sagte er. Die Politik werden und müsse aber vor allem die Infrastruktur für die neuen Entwicklungen schaffen. Dies sei der zyklischen Wirtschaftsentwicklung geschuldet, wie sie der russische Wissenschaftler Nikolai Kondratjew beschrieb.
Unternehmen: Innovationstag - Renaissance der Politik (00:05:25)
Unternehmen: Innovationstag - Renaissance der Politik (00:05:25)
Neu war vielen Teilnehmern des Innovationstages das Thema Neuromarketing. Wie kann man die jüngsten wissenschaftlichen Ergebnisse aus Medizin und Medienbranche für die Kommunikationsplanung nutzen? Welche Effekte könnte dies auf Verkauf und Branding haben? Experten gaben mit der Neuro-Forschungsmethode Steady State Topography (SST) Einblick in dieses neue Feld. Damit werden bisher unsichtbare Zustände und Prozesse im Gehirn sichtbar gemacht, die für Entscheidungen zuständig sind. Gleichzeitig wird die Verbindung zu emotionalen Wahrnehmung deutlich. Ein interessanter Ansatz, mit dem Markenbotschaften optimiert werden können, fanden die Teilnehmer.
Da das Wachstum sich mehr und mehr von den entwickelten Märkten in Nordamerika und Europa hin zu den Schwellenländern verlagert, spielten in den Diskussionen der Teilnehmer des Innovationstages auch die Themen Expansion und Ethno-Marketing eine Rolle. Gerade kleinen und mittelständischen Unternehmern scheinen dies jedoch besonders riskante Schritte, zeigte sich in den Diskussionsrunden. Dennoch empfanden die meisten Entwicklungsschritte in dieser Richtung als essentiell. Wie Innovation insgesamt, so die Expertenrunde der Veranstaltung.
  • FTD.de, 25.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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