Beim Betreten des Gerichtssaals verbeugte sich der in dunklem Anzug und weißen Hemd gekleidete Horie vor den Richtern. Die Aufforderung sich zu setzen, quittierte er mit einem Lächeln. Im Prozessverlauf blickte Horie immer wieder auf die Uhr, während die Anklage ihren ersten Zeugen befragte. Der Beginn des Prozesses wurde direkt im japanischen Fernsehen übertragen. Vor dem Gericht drängelten sich Tausende Schaulustige und zahlreiche Fernsehteams.
Mit seinem extravaganten Lebensstil hatte Horie, der gegen eine Kaution von etwa 2,1 Mio. Euro auf freiem Fuß ist, nicht nur in Wirtschaftszeitungen, sondern auch in der Boulevardpresse für Schlagzeilen gesorgt.
Affäre belastete auch Notenbankchef
Der Skandal um gefälschte Geschäftszahlen und manipulierte Aktienkurse beim New-Economy-Konzern Livedoor erschütterte das Vertrauen der Anleger und stürzte Japans Börse ins Chaos. Eine Razzia der Staatsanwaltschaft bei Livedoor hatte Anfang des Jahres zu panikartigen Verkäufen und massiven Verlusten an der Börse geführt. Allein durch den Kurssturz der Livedoor-Aktie wurden mit einem Schlag mehr als 5 Mrd. $ vernichtet. Inzwischen ist Livedoor nicht mehr an der Börse notiert. Nach dem Strafprozess wartet auf Horie noch eine Reihe von Zivilklagen geschädigter Anleger.
Im Zuge der Affäre musste neben Livedoor-Chef Horie auch Yoshiaki Murakami als bekanntester Fondsmanager des Landes seinen Hut nehmen. Selbst Japans Notenbankchef Toshihiko Fukui geriet in den Strudel der Affäre und sah sich zeitweise mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Auch der scheidende Ministerpräsident Junichiro Koizumi kam wegen des Skandals in Verlegenheit: Der Regierungschef hatte Horie vor dessen Fall noch als Vorzeigeunternehmer gepriesen und dessen Kandidatur für das Parlament explizit unterstützt.