Bildergalerie: Chaos und Trauer in Rom
Nicht erst seit seinem Ruf nach Rom scheiden sich an dem Hardliner die Geister. Für die einen ist der Bayer der "Großinquisitor aus Marktl am Inn", weil er hart gegen anders Denkende vorgeht. Für die anderen Lordsiegelbewahrer der Traditionen. Ratzinger lehnt die Empfängnisverhütung ab, sperrt sich gegen weibliche Priester und suspendiert männliche, wenn sie sich von der geltenden Kirchenlehre abwenden. Die Kirche drohe zu verwässern, warnt er. Die Inquisition verteidigt Ratzinger, muss aber einräumen, dass sie in ihrer Geschichte Fehlurteile gefällt hat. Er selbst sieht sich als "Mitarbeiter der Wahrheit": "Ich setzte mein Leben dafür ein, dass die christliche Substanz nicht verloren geht."
Der Glaubenshüter pocht darauf, dass die Kirche sich nicht dem Zeitgeist anpassen darf. Vor allem in Deutschland ist die Zahl seiner Kritiker deshalb kontinuierlich gestiegen. Unter den Kardinälen indes genießt er hohes Ansehen. Dem ehemaligen Erzbischof von München und Freising werden sogar Außenseiterchancen auf das Amt des Papstes eingeräumt. Und selbst Ratzinger meinte bis zuletzt viel sagend, dass Papstwahlen schon immer für Überraschungen gut gewesen seien.
Für den Fall der Fälle stellt Ratzingers Heimatgemeinde jedenfalls schon einmal Überlegungen an. "Über Nacht könnte Marktl international bekannt werden", sagt Bürgermeister Hubert Gschwendtner. In Ratzingers Geburtshaus könne ein Papstmuseum eingerichtet werden. Das Taufbecken des Ehrenbürgers steht ohnehin schon im Heimatmuseum.