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Merken   Drucken   24.04.2005, 10:00 Schriftgröße: AAA

Juristen: Kanzleistil stört die Kommunikation  

Exakt formuliert oder überheblich? Wenn Juristen miteinander sprechen oder schreiben, bleibt ihre Umwelt oft außen vor. Und wenn sich die Anwälte unverständlich ausdrücken, leidet auch ihr Unternehmen. von Michael Schmuck
"Oh nein, wie schrecklich.“ Mit Unverständnis und Abscheu reagieren viele Menschen, wenn sie Juristen reden hören. Es klingt gestelzt und umständlich und ist schwer zu verstehen. Dass ein Großteil ihrer Mandanten und Zeugen ihnen nicht folgen kann, kümmert viele Juristen nicht. „Wenn der Mandant so blöd ist, soll er eben zum Lexikon greifen“, erwidern viele Anwälte, wenn man in ihren Schriftsätzen eine klare Sprache fordert. Nicht gerade kundenfreundlich. Das gilt auch für den Einwand, Juristen müssten ihren gehobenen sozialen Status mit einer verklausulierten Sprache belegen: „Alles andere klingt doch flach.“ Als drittes Argument gegen verständliche Worte wird oft angeführt: „Das muss so sein, sonst ist es ja falsch.“
Keines dieser Argumente greift. Erstens ist Verständlichkeit zwingende Voraussetzung der Kommunikation, auch der eines Anwalts. Zweitens heißt niveauvolles Kommunizieren nicht, dass man sich umständlich, langatmig und verschachtelt ausdrückt. Und drittens wird ein Fachtext nicht falsch, wenn er mit einfachen Worten formuliert wird – im Gegenteil: Oft versteht der Leser erst dann den Inhalt.
Einfache Wörter gefragt
Aus Angst vor dem Ungewohnten scheuen sich Juristen oft, einfache Wörter zu benutzen. In ihrem Jargon fühlen sie sich sicher. Kurz und klar zu sprechen oder zu schreiben haben sie im Studium nicht gelernt. Stattdessen bringen viele Professoren ihnen bei, je länger und komplizierter, desto wissenschaftlicher und klüger klinge ein Text. Dass es aber nichts nutzt, viel zu wissen, wenn man das Wissen nicht vermitteln kann, ist eine kaum vertretene Lehrmeinung. So werden Juristen häufig belächelt wegen ihrer merkwürdigen Sprache und von vielen Mitmenschen als überheblich, arrogant und besserwisserisch angesehen. Sprache wird auch als Ausdruck des Charakters und der Persönlichkeit empfunden, nicht nur als Beleg von Bildung.

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