Der Ex-BSkyB-Chef Ball soll das Management von Kabel Deutschland beraten. Der Netzbetreiber sucht den Erfolg im Digital-TV. von Lutz Meier, Berlin
Tony Ball
In Sachen Pay-TV genießt der Brite Tony Ball einen Ruf, an dem sich die Branche misst. Als Ball vor knapp zwei Jahren auf Druck des Haupteigners Rupert Murdoch den Chefposten bei BSkyB räumte, dem britischen Bezahlfernsehanbieter, ging er mit 10 Mio. £ Abfindung und einer glänzenden Bilanz: Die Kundenzahlen hatte er in knapp vier Jahren mit Investitionen in Digitaltechnik und exklusiven Fußball auf über sieben Millionen verdoppelt und gleichzeitig den Anbieter in die schwarzen Zahlen zurückgeführt. BSkyB zählte zu den profitabelsten Medienunternehmen in Europa und zu den Börsenlieblingen.
Das ist ein Glanz, von dem der deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) nur träumen kann - und das tut er allem Anschein nach auch. Jedenfalls sucht er nun Hilfe bei Tony Ball. Am Dienstag benannte KDG den Briten als Chef des Advisory Board, wo er die Geschäftsführung "in strategischen Fragen" beraten soll, wie es umfassend in einer Mitteilung hieß.
Seit längerem mühen sich Management und Eigner des Kabelbetreibers damit ab, eine neue Firma aus KDG zu machen. Das Unternehmen, das Netze, Personal und in mancherlei Hinsicht auch die Mentalität des alten Telekom-Kabelgeschäfts übernommen hat, soll nicht mehr nur Netzzugänge liefern, sondern zum TV-Betreiber werden. Seit Ende 2004 gibt es ein eigenes Pay-TV-Angebot, mit dem KDG Premiere Paroli bieten will. Bislang mit bescheidenem Erfolg - die Ziele bei den Kundenzahlen verfehlte das Angebot mit dem sperrigen Namen "Kabel Digital Home" trotz einer aufwändigen Werbekampagne zunächst. Derweil droht Premiere nach seinem gelungenen Börsengang davonzueilen. Dabei ist auch das Ziel der KDG-Eigner - die Bank Goldman Sachs und die Fondsbetreiber Apax und Providence - die Börse.
Nun werden die Eigner langsam ungeduldig. Ein Signal dafür sind die jüngsten Personalveränderungen. Anfang April wurde Marketingexperte Rainer Wittenberg in den Vorstand geholt, nun bekommt KDG-Chef Roland Steindorf den Pay-TV-Profi Tony Ball zur Seite gestellt. Es gilt auch, die Verhandlungen mit den großen Free-TV-Anbietern RTL und Pro Sieben Sat 1 zu beschleunigen. Ein Abschluss ist Voraussetzung für einen Erfolg der digitalen Fernsehangebote von KDG. Sein Aufsichtsratsmandat bei Pro Sieben Sat 1 gab Ball mit der Entscheidung für KDG am Dienstag auf - wegen möglicher Interessengegensätze.
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