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  FTD-Serie: Putins Wahl

Russland hat am 2. März die Wahl - theoretisch. Praktisch spricht alles dafür, dass der Favorit des Kreml, Dmitri Medwedew, eine haushohe Mehrheit erhält und Nachfolger von Wladimir Putin als Präsident wird. Die Serie von FTD-Online über die Abstimmung in der "gelenkten Demokratie".

Merken   Drucken   03.03.2008, 10:14 Schriftgröße: AAA

Karriere ohne Schlapphut

Die Laufbahn des Juristen Dmitri Medwedew verlief abseits der Geheimdienste. Es ist dieser Hintergrund, der Befürwortern seiner Präsidentschaft Hoffnung macht. von Catherine Belton (Moskau)
Anfang der 90er-Jahre musste der spätere russische Präsident Wladimir Putin seinen bisher einzigen öffentlichen Skandal durchstehen. Putin arbeitete damals als Chef der Abteilung für Auslandsbeziehungen in der Petersburger Stadtverwaltung und sah sich heftigen Korruptionsvorwürfen durch das Stadtparlament ausgesetzt.
Ihm zu Hilfe kam eine kleine Gruppe von Juristen, zu der auch Dmitri Medwedew gehörte. Es gelang ihnen, die Beschuldigungen abzuwehren. Bis heute gilt dieser Vorfall als wichtigste Erklärung für das Vertrauensverhältnis, das sich zwischen Putin und seinem Nachfolger entwickelte.
"Es ist bezeichnend, dass Putins engster Vertrauter kein KGB-Mann, sondern ein Jurist ist", sagt ein Banker, der mit beiden Politikern zusammengearbeitet hat. "Die Menschen sind ihren Anwälten gegenüber immer aufgeschlossener."
Medwedew und der 13 Jahre ältere Putin lernten sich kennen, als sie gemeinsam Wahlkampf für den späteren Petersburger Bürgermeister Anatoli Sobtschak machten. Bis dahin waren sie allerdings eher unterschiedliche Wege gegangen. Anders als Putin, der in sozial prekären Verhältnissen aufwuchs, entstammt Medwedew einer Intellektuellenfamilie. Der Vater war Professor am Technischen Institut in Leningrad, die Mutter Lehrerin.
Dmitri Medwedew   Dmitri Medwedew
Freund des Westens
Medwedew studierte Jura, und alles schien zunächst auf eine akademische Karriere hinzudeuten. Doch der Abschluss des Postgraduierten fiel mitten in den Untergang der Sowjetunion - in eine Phase also, in der fähige Organisatoren wie er an anderen Orten dringender gebraucht wurden als an der Universität. In der entstehenden Privatwirtschaft übernahm Medwedew einen Job bei einem Papierhersteller.
Es ist dieser Hintergrund ohne Geheimdienst und sowjetische Kaderstationen, der Befürwortern seiner Präsidentschaft Hoffnung macht. Alexander Woloschin, einst Stabschef im Kreml, präsentierte Medwedew in Washington Ende 2006 als einen Freund des Westens, der zu einem liberalen Staatschef Russlands werden könne. Ende 1999 holte Putin Medwedew nach Moskau. Von da an ging es steil bergauf. Er organisierte Putins Wahlkampf im Jahr 2000, übernahm den Aufsichtsratsvorsitz des Energiekonzerns Gazprom  und wurde Stabschef im Kreml. Vor allem seine Aufräumarbeiten beim Gazprom-Konzern trugen ihm einen guten Ruf ein. "Die Leute haben von ihm das Bild eines scheuen und zurückhaltenden Menschen", sagt ein westlicher Manager. "Aber wenn er weiß, dass der Chef hinter ihm steht, kann er sehr hart sein."
Wie eigenständig Medwedew als Präsident auftreten wird, könnte auch davon abhängen, ob er mit Schmiergeldaffären in Verbindung gebracht wird. Kritiker blicken auf seine Freundschaft mit Konstantin Tschujtschenko, dem Geschäftsführer der skandalumwitterten Gashandelsfirma Rosukrenergo. Das Problem könnte sich aber schon erledigt haben: Das Unternehmen soll nun aus seinem Kerngeschäft abgezogen werden.
  • Aus der FTD vom 03.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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