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Merken   Drucken   14.10.2008, 11:10 Schriftgröße: AAA

Kauf von Hapag-Lloyd: Jubeln auf Hanseatisch

Eine halbe Milliarde zahlt Klaus-Michael Kühne, damit Hapag-Lloyd sicher in Hamburg bleibt. Seinen Sieg kostet er im Stillen aus. von Leo Klimm
Festlich-golden glitzert das Wasser im Hafenbecken, aber Klaus-Michael Kühne hat keinen Blick dafür. An dem Tag, an dem feststeht, dass mit Hapag-Lloyd ein wichtigster Treiber des Hamburger Wohlstands in der Stadt bleibt, genießt der Milliardär nicht die grandiose Aussicht, die sich vom elften Stock der Kühne+Nagel-Deutschlandzentrale bietet.
Der 71-Jährige hat den Blick auf den Konferenztisch gerichtet und sagt: "Ich bin sehr froh." Keine Spur von Euphorie. Obwohl es Kühne gelungen ist, das abzuwenden, was er selbst als "Katastrophe" sah: den Verkauf der Reederei nach Asien. Er mag vor über 30 Jahren in die Schweiz ausgewandert sein - Hanseat bleibt Hanseat. Eher beiläufig berichtet er vom Beinahescheitern des Deals, von "dramatischen Verhandlungen", die es noch vergangene Woche mit dem Hapag-Verkäufer gab. Kühne betont jeden Buchstaben einzeln: "T - U - I".
Klaus-Michael Kühne   Klaus-Michael Kühne
Rund 500 Mio. Euro, geschätzt ein Zehntel seines Privatvermögens, hat Kühne in Hapag-Lloyd gesteckt. Er sagt, er habe "nie eine so weitgehende Rolle angestrebt". Kühne deutet an, wie enttäuscht er ist, dass außer ihm keine reichen Hamburger Geld lockergemacht haben. Wenn es bei ihm einen emotionalen Auslöser gegeben hat, dann kam er von den Hapag-Angestellten: Es sei eine positive, ja "bewegende Erfahrung" gewesen, als er von demonstrierenden Gewerkschaftern für sein Engagement gefeiert worden sei, sagt er. Trotzdem geht Kühne nicht so weit, wieder nach Hamburg zurückzukehren: Die Schweiz, sagt er, sei für Unternehmer wie ihn ein Paradies. "Dort gibt es keine Mitbestimmung", sagt er - und lacht, zum ersten Mal.
  • Aus der FTD vom 14.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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