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Merken   Drucken   26.10.2008, 19:44 Schriftgröße: AAA

Keine Rede von Begünstigung: Strauss-Kahn übersteht One-Night-Stand

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält an seinem Chef Dominique Strauss-Kahn, 59, nach dessen Affäre mit einer früheren Mitarbeiterin fest. Strauss-Kahn genieße weiter das Vertrauen der IWF-Aufsicht, teilte der Verwaltungsrat am Samstagabend mit. von Martin Scheele (Hamburg)
Eine Untersuchung habe keine Hinweise auf Belästigung, Begünstigung oder Machtmissbrauch erbracht. Der frühere französische Finanzminister habe jedoch einen "ernsthaften Fehler hinsichtlich seines Urteilsvermögens" begangen. Der Vorfall sei "bedauerlich". Der Weltwährungsfonds betrachte die Angelegenheit nunmehr aber als abgeschlossen, sagte Verwaltungsratschef Shakour Shaalan. Die 24 Mitglieder des Verwaltungsrats hätten einstimmig entschieden. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Vorfall die Effektivität der Arbeit des IWF-Chefs in den vor uns liegenden sehr herausfordernden und schwierigen Zeiten in keiner Weise beeinträchtigen wird." Shaalan machte zudem deutlich, dass so eine Affäre sich nicht wiederholen darf.
Der IWF ist wegen der Finanzkrise stark gefordert. Mehrere Länder haben ihn bereits um Hilfe gebeten. Der IWF fördert die Zusammenarbeit in Finanzfragen, vergibt aber auch Kredite. Ihm gehören rund 185 Länder als Mitglieder an. Beobachter hatten eine zeitweilige Lähmung des IWF für den Fall vorausgesagt, dass Strauss-Kahn seinen Hut nehmen muss.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gab eine Affäre zu   IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gab eine Affäre zu
Strauss-Kahn  hatte die Affäre mit der Mitarbeiterin aus der Afrika-Abteilung des Fonds bereits im Januar. Im August war die Frau dann zur Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gewechselt. Eine Kanzlei hatte im Auftrag des Fonds untersucht, ob der IWF-Chef ihr Vergünstigungen hatte zukommen lassen. Strauss-Kahn, der verheiratet ist, war im September 2007 an die IWF-Spitze gewählt worden.
Strauss-Kahn selbst hatte erklärt, es habe zwar im Januar "einen Vorfall" in seinem Privatleben gegeben. Er habe aber zu keinem Zeitpunkt seine berufliche Position missbraucht. Strauss-Kahns Ehefrau hatte den Vorfall als "One-Night-Stand" bezeichnet.
Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, der Vorfall habe innerhalb des IWF zu Kritik geführt, weil bis vor einer Woche noch nicht einmal alle 24 Mitglieder des Verwaltungsrats von der Untersuchung Kenntnis gehabt hätten. Mitglieder mit Kenntnis der Vorwürfe hätten damit in der Lage sein können, dies bei Disputen mit Strauss-Kahn zu politischen Themen oder der Finanzierung von Projekten auszunutzen.
Strauss-Kahns Liebesaffäre löst Erinnerungen an die Vorgänge in der Geschwisterorganisation Weltbank aus. Vergangenes Jahr musste der damalige Weltbankpräsident Paul Wolfowitz zurücktreten. Ermittlungen zufolge hatte Wolfowitz die internen Regeln verletzt, indem er seiner Geliebten eine großzügige Gehaltserhöhung und eine Beförderung organisierte.
  • Aus der FTD vom 27.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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