Klaus Kleinfeld, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG
Als Siemens-Chef Klaus Kleinfeld noch daheim in Bremen zur Schule ging, füllte er für 2 DM in der Stunde Supermarkt-Regale auf. Eine Zeit, die tiefe Spuren hinterlassen haben muss. Denn ab und zu bahnen sich Kleinfelds Erfahrungen aus jenen frühen Jahren noch einmal ihren Weg in die Münchner Gegenwart. Zum Beispiel im April dieses Jahres, als er seine Renditeziele für die Siemens-Konzernsparten vorstellte und verlangte, jeder Konzernbereich möge sich in Zukunft sein "Mittagessen" gefälligst "selbst verdienen". Was er damit meinte, war klar: Keine defizitäre Konzernsparte sollte ab 2007 mehr auf Kosten anderer, profitabler Geschäftsfelder am Leben erhalten werden. Jetzt hat Kleinfeld Fakten geschaffen und durchgegriffen: Tausende von Stellen sollen abgebaut werden, führende Manager nehmen ihren Hut - unter von Pierers Nachfolger bleibt bei Siemens kein Stein mehr auf dem anderen.
Im Grunde hatte man genau das von Kleinfeld erwartet: Der Langstreckenläufer, der für den New-York-Marathon einst weniger als fünf Stunden brauchte, war auch bei seiner konzerninternen Karriere kaum einzuholen. 1987 Siemens-Debüt als Referent im Betriebsbereich, acht Jahre später Leiter der hauseigenen Unternehmensberatung, 1990 Bereichsvorstand in der Medizintechnik. Kleinfeld, der Mann aus einfachen Verhältnissen, war auf dem Weg nach oben. Sein erfolgreiches Siemens-Gastspiel in den USA hoben das Board-Mitglied der Metropolitan Opera dann endgültig in den Münchner Industrie-Olymp.
Als er Anfang des Jahres zum Vorstandschef berufen wurde, war klar: Kleinfeld wollte nicht alles anders machen als von Pierer - nur schneller. Eine zügigere Innovationspolitik und ein schnelleres Erreichen der Renditeziele. "Wenn man bedenkt, dass er erst seit Januar im Amt ist, hat er für Siemens-Verhältnisse schon ein atemberaubendes Tempo hingelegt", meint Siemens-Analyst Theo Kitz von Merck Finck & Co.
Im Traditionskoloss Siemens musste Kleinfeld mit seinem Führungsstil früher oder später anecken. Nach dem Weggang von Pierers gehe es im Hause "irgendwie amerikanischer " und bisweilen "eiskalt" zu, monieren Konzernmitarbeiter. Der nach außen so jovial wirkende Vorstandschef, der in früheren Jahren des Abends schon mal ganze Lagen von Pizza bestellte, um seine Mitarbeiter bei Laune zu halten, sei in Wahrheit ein ganz knallharter Manager. Arbeitnehmervertreter unterstellen Kleinfeld inzwischen offen, seine Renditeziele zu hoch zu schrauben und dafür mit ehernen Konzerntabus zu brechen. Dass der frühere 2-DM-Jobber mit Traditionen wenig am Hut hat, machte er am klar: "Nur erfolgreiche Geschäfte sichern und schaffen Jobs."