Klaus Kleinfeld, Siemens-Chef, präsentiert nach den ersten 100 Tagen eine gemischte Bilanz
"Verdammt schnell" sei Siemens geworden mit seinen Akquisitionen. "Verdammt schwer" lasse sich der weitere Geschäftsverlauf einschätzen, ließ er am Mittwoch Journalisten bei seiner ersten Präsentation von Quartalszahlen wissen.
Hat eine steile Karriere im ehrwürdigen Siemens-Konzern hingelegt und ist trotzdem locker genug, vor geöffneten Mikrofonen auch mal das Wörtchen "verdammt" einfließen zu lassen, wenn ihm die gebräuchlichen Manager-Worthülsen fehlen. "Verdammt schnell" hat sich allerdings auch der Bonus aufgezehrt, mit dem der bei seiner Berufung weithin gefeierte 47-jährige Manager vor rund 100 Tagen das Amt seines eher staatsmännisch agierenden Vorgängers Heinrich von Pierer übernommen hat. Und "verdammt schwer" fällt es Kleinfeld offensichtlich, sein Siegertyp-Image in echte Siege umzumünzen. So enttäuschte er am Mittwoch die Finanzgemeinde mit mittelmäßigen, zum Teil miserablen Zahlen und musste bei der Prognose für das Gesamtjahr ganz passen.
Investoren skeptisch
Schon zuvor hatte er die Investoren nicht überzeugt. "Ein Fiasko" sei sein erster Auftritt im Januar vor Londoner Analysten gewesen, heißt es von der Insel. "Er hatte einfach nichts Neues zu sagen." Die
Siemens -Aktie ist jetzt fast ein Zehntel weniger wert als bei Kleinfelds Amtsantritt. Und jetzt nennt er sein neues Programm, das Siemens selbstverständlich noch innovativer, noch profitabler, noch wettbewerbsfähiger machen soll, "Fit 4 More". Das klingt mehr nach einem Frühstücksdrink, mit dem sich das Management ein paar Gewinnvitamine einflößen möchte, als nach harter Arbeit. Den würden die Mitarbeiter der Siemens-Handysparte sicher auch gerne schlürfen, um sich für die Zukunft mit einem neuen Mehrheitseigner zu wappnen.
Dabei kann Kleinfeld anpacken. Bei Siemens profilierte sich der studierte Betriebswirt mit einem Doktor in Politikwissenschaft schon früh, als er die interne Unternehmensberatung gründete. Als USA-Chef des Konzerns brachte der gebürtige Bremer das jahrelang kränkelnde Geschäft dort in Ordnung. In den ersten drei Monaten als CEO tütete er drei Übernahmen für 3 Mrd. Euro ein. Und jetzt gliedert er das verlustreiche Handygeschäft aus, etwas, das seit zwei Jahren überfällig ist. Nach dem ruckeligen Start könnte also richtig was am Mittwoch seine Pressekonferenz.