Adrian von Hammerstein
Andernfalls könnte, berichtet der "Spiegel", die gesamte Führung des IT-Dienstleisters abgelöst und durch Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt ersetzt werden.
Von Hammersteins Bereich hat dem Konzern allein zwischen April und Juni dieses Jahres 109 Mio. Euro Verlust eingebracht. Eine Krisensitzung des Zentralvorstands hat Kleinfeld für den 29. August angesetzt. Für dieses Treffen werden sich neben von Hammerstein auch die Chefs der ebenfalls defizitären Kommunikations- und Logistiksparte etwas einfallen lassen müssen. Wie drastisch die personellen Konsequenzen wirklich ausfallen könnten - darüber schweigt sich der Konzern zurzeit aus. "Einige werden hier zum Vorsingen antreten müssen", heißt es aus Unternehmenskreisen nur.
Im Ton vergriffen
Ein Vorsingen, das von Dissonanzen geprägt sein könnte. Schon im Juli sollen sich von Hammerstein und seine Mitarbeiter kräftig im Ton vergriffen haben. Als Sanierungskonzept boten sie Kleinfeld damals einen drastischen Personalabbau an, um bis Frühjahr 2007 auf die angepeilte Rendite von mindestens fünf Prozent zu kommen. Als kurze Zeit später Arbeitnehmervertreter aus dem Siemens-Aufsichtsrat warnten, bei SBS seien 4000 Arbeitsplätze - rund ein Viertel der Belegschaft - in Gefahr, konnte das Kleinfeld kaum recht sein. Der Siemens-Chef will sich zwar als Sanierer profilieren, nach rund einem halben Jahr im Amt aber nicht gleich als notorischer Jobkiller unbeliebt machen.
"Fit 4 more" hat der erste Mann bei Siemens sein Programm genannt, mit dem er die zwölf Konzernbereiche auf Kurs bringen will. Was wie der Name eines Homevideos für Aerobic-Anhänger klingt, ist in Wirklichkeit ein ehrgeiziger und langfristiger Strategieplan, bei dem es um mehr geht als sportlichen Ehrgeiz. Eines der Hauptziele von "Fit 4 more": Die Sparten des Münchner Konzerns sollen in den kommenden zwei Jahren auf ihre Margenziele getrimmt werden.
Sollte das nicht klappen, haben von Hammerstein und seine Bereichskollegen für die möglichen Konsequenzen ein Beispiel vor Augen. Die ebenfalls rote Zahlen schreibende Handysparte hat Kleinfeld bereits an den taiwanischen Konzern BenQ verkauft. Bei Siemens ist offensichtlich nichts mehr für die Ewigkeit gebaut.