Neuer Lautsprecher für die Grünen: Sven Giegold bei einer Anti-Atommüll-Demonstration am Zwischenlager Gorleben
An Giegolds hartnäckigem Agitieren liegt es wohl auch, dass in diesem Jahr fast das gesamte grüne Establishment in Gorleben gegen die Atomkraft auf die Straße geht - nach Jahren der Abstinenz. Im Vorfeld hatte er ein Manifest organisiert, in dem sich viele Spitzen-Grüne zur Teilnahme verpflichteten. Friedliche Proteste hätten bei den Grünen eine lange Tradition, sagt Giegold. Diese Kultur müsse nicht neu erfunden werden. Man müsse sie aber neu beleben. "Die Grünen in den Parlamenten haben sich zu weit davon entfremdet", findet er.
Der Mitbegründer der deutschen Sektion des globalisierungskritischen Netzwerks Attac schwingt keine antikapitalistischen Parolen. Ohne Unternehmertum laufe gar nichts, allerdings solle das doch bitte schön ökologisch sein. Er lässt sich in keine Schublade stecken. Er sei genauso "gegen Betonkeynesianismus wie gegen grünen Ordoliberalismus". In Deutschland gebe es zu wenig Makroökonomen und zu viele ideologisch festgelegte Ordoliberale, urteilt Giegold, der in England studiert hat. Genauso wenig möchte der 39-Jährige auf die Rolle des Rebellen festgelegt werden, der jetzt bei den Grünen ein bisschen die Gemütlichkeit stört.
Vom Grünschnabel Giegold erhofft sich die Ökopartei wieder besseren Kontakt zu ihren Wurzeln, zur außerparlamentarischen Bewegung. Dorthin hat Giegold gute Drähte. Er ist engagiert in der Friedensbewegung, der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Kirchenbewegung.
Strategie gegen die Linkspartei
"Die Kandidatur soll ein politisches Signal sein", sagt Malte Spitz, mit Mitte 20 eines der jüngsten Mitglieder im Bundesvorstand. Das Signal richtet sich vor allem gegen die Linkspartei. Mit der Anwerbung von unabhängigen Köpfen aus dem linken Spektrum wollen die Grünen der Linken Wähler abspenstig machen.
Sven Giegold stehe für die Offenheit der Grünen zu Nichtregierungsorganisationen und außerparlamentarischen Bewegungen, so die Landesvorsitzenden der Grünen Nordrhein-Westfalen, Daniela Schneckenburger und Arndt Klocke. Giegold gilt bei den Grünen als Hoffungsträger. Auf dem Bundesparteitag im November in Erfurt war er maßgeblich an der Ausarbeitung des Antrags "Green New Deal" zur Finanzkrise beteiligt. Dort hielt er eine viel beklatschte Rede.