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  FTD-Serie: Köpfe von morgen

In den USA ist mit Barack Obama ein junger Politiker aus der Provinz zum Präsidenten aufgestiegen. Die FTD hat sich auf die Suche nach dem deutschen Obama gemacht und dabei zumindest einige junge talentierte Politiker gefunden, deren Namen man sich merken sollte.

Merken   Drucken   28.12.2008, 16:24 Schriftgröße: AAA

Köpfe von morgen (3): Sven Giegold, der Grünen-Rebell

Der Attac-Mitbegründer und Neu-Grüne Sven Giegold soll die Ökopartei wieder deutlich rebellischer machen - und sie für die vernachlässigten Protestbewegungen öffnen. von Monika Dunkel (Berlin)
Kommen Sie, kommen Sie, und blockieren Sie mit uns die Straße, es gibt noch Strohsäcke." Mit dem Megafon in der Hand, dem Hintern auf der Straße - in dieser Position fühlt Sven Giegold sich pudelwohl. In der Art eines Jahrmarktschreiers wirbt der 39-Jährige um unsichere Protestler in Sichtweite des Zwischenlagers in Gorleben. Ein paar Meter weiter sitzt auch schon die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth auf einem Sack. Es ist der 9. November 2008. Giegold ist mit dickem Parka für eine lange, kalte Nacht ausstaffiert.
Der studierte Ökonom gehört zu den Anführern der Anti-Atomkraft-Bewegung. Viele Jahre hat er demonstriert, die Straße blockiert und im Schlafsack geschlafen, bis sie ihn weggetragen haben. "Ziviler Ungehorsam", nennt er das. Der gehört für ihn dazu. "Notfalls auch der Einsatz mit dem eigenen Körper." Seit Anfang September ist er Neu-Grüner, Mitglied des Kreisverbands Düsseldorf. Der nordrhein-westfälische Landesverband hatte ihn gefragt, ob er nicht für die Europawahl im nächsten Jahr kandidieren möchte, als Parteiloser. Da ist er lieber gleich eingetreten. "Ich war von den Grundwerten eh immer ein Grüner."
Neuer Lautsprecher für die Grünen: Sven Giegold bei einer ...   Neuer Lautsprecher für die Grünen: Sven Giegold bei einer Anti-Atommüll-Demonstration am Zwischenlager Gorleben
An Giegolds hartnäckigem Agitieren liegt es wohl auch, dass in diesem Jahr fast das gesamte grüne Establishment in Gorleben gegen die Atomkraft auf die Straße geht - nach Jahren der Abstinenz. Im Vorfeld hatte er ein Manifest organisiert, in dem sich viele Spitzen-Grüne zur Teilnahme verpflichteten. Friedliche Proteste hätten bei den Grünen eine lange Tradition, sagt Giegold. Diese Kultur müsse nicht neu erfunden werden. Man müsse sie aber neu beleben. "Die Grünen in den Parlamenten haben sich zu weit davon entfremdet", findet er.
Der Mitbegründer der deutschen Sektion des globalisierungskritischen Netzwerks Attac schwingt keine antikapitalistischen Parolen. Ohne Unternehmertum laufe gar nichts, allerdings solle das doch bitte schön ökologisch sein. Er lässt sich in keine Schublade stecken. Er sei genauso "gegen Betonkeynesianismus wie gegen grünen Ordoliberalismus". In Deutschland gebe es zu wenig Makroökonomen und zu viele ideologisch festgelegte Ordoliberale, urteilt Giegold, der in England studiert hat. Genauso wenig möchte der 39-Jährige auf die Rolle des Rebellen festgelegt werden, der jetzt bei den Grünen ein bisschen die Gemütlichkeit stört.
Vom Grünschnabel Giegold erhofft sich die Ökopartei wieder besseren Kontakt zu ihren Wurzeln, zur außerparlamentarischen Bewegung. Dorthin hat Giegold gute Drähte. Er ist engagiert in der Friedensbewegung, der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Kirchenbewegung.
Strategie gegen die Linkspartei
"Die Kandidatur soll ein politisches Signal sein", sagt Malte Spitz, mit Mitte 20 eines der jüngsten Mitglieder im Bundesvorstand. Das Signal richtet sich vor allem gegen die Linkspartei. Mit der Anwerbung von unabhängigen Köpfen aus dem linken Spektrum wollen die Grünen der Linken Wähler abspenstig machen.
Sven Giegold stehe für die Offenheit der Grünen zu Nichtregierungsorganisationen und außerparlamentarischen Bewegungen, so die Landesvorsitzenden der Grünen Nordrhein-Westfalen, Daniela Schneckenburger und Arndt Klocke. Giegold gilt bei den Grünen als Hoffungsträger. Auf dem Bundesparteitag im November in Erfurt war er maßgeblich an der Ausarbeitung des Antrags "Green New Deal" zur Finanzkrise beteiligt. Dort hielt er eine viel beklatschte Rede.

Teil 2: Mehrere Häutungen

  • Aus der FTD vom 29.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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