Softer Liberaler: Philipp Rösler predigt Nächstenliebe
Im Jahr 2000 wurde er mit nur 27 Jahren Generalsekretär der niedersächsischen FDP. Seit 2003 sitzt er im Landtag und ist dort Fraktionsvorsitzender der FDP. Drei Jahre später wurde er FDP-Landesvorsitzender. Sein Aufstieg zum Landeswirtschaftsminister ist wohl nur eine Frage von Wochen. Und das alles mit heute gerade mal 35 Jahren. "Die haben mich lieb", sagt Rösler über seinen Landesverband. "Und das will ich mir erhalten."
Doch eins will Rösler klarstellen. "Anders aussehen und sympathisch sein hilft vielleicht in den ersten Tagen, aber das trägt nicht über Jahre. Da zählt nur herausragende Leistung." Und deshalb hält Rösler jede seine Reden - egal ob im Landtag oder zum Jubiläum des Textildienstleisters Eggers - aus dem Kopf und ohne Notizen.
Keine Alternative zu Schwarz-Gelb
Die Frage nach der Möglichkeit einer Koalition zwischen FDP und SPD im Bund beantwortet er nicht mit einem Allgemeinplatz, sondern mit einer Analyse. "Eine rote Ampel hätte niemals die Mehrheit im Bundesrat", sagt Rösler. Die FDP könne sich nicht gleichzeitig mit SPD, Grünen und Union auseinandersetzen. Allein deshalb gebe es keine Alternative zu Schwarz-Gelb.
Auf der Rückfahrt nach Hannover klingelt das Blackberry-Telefon. Ein Radiosender interviewt ihn zum 30. Jahrestag der Ankunft der ersten Boatpeople aus Vietnam. Alle Welt hält ihn für einen Experten zu diesem Thema, denn Rösler selbst kam im Alter von neun Monaten aus Vietnam nach Deutschland, wo er von einem Ehepaar adoptiert wurde. Abgesehen von seinem etwas anderen Aussehen, sagt Rösler, sei seine Herkunft für ihn heute vollkommen ohne Bedeutung.