Handy-TV ist eines der neuen Felder für Mobilfunkanbieter
Wenn am 8. Juni im österreichischen Klagenfurt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr erstes EM-Gruppenspiel gegen Polen bestreitet, werden Millionen Fußballfans gebannt vor Fernsehgeräten oder Großbildleinwänden auf Deutschlands Public Viewing Points sitzen und das Spiel verfolgen. Einige werden aber auch auf ihrem Handy-Bildschirm das erste Spiel der deutschen Elf verfolgen. Wenn es nach dem Betreiber-Konsortium Mobile 3.0 geht, das bis zur Fußball Europameisterschaft in den wichtigsten Ballungszentren den Sendebetrieb aufnehmen will, dann soll das fußballerische Großereignis dem Handy-TV in Deutschland zum Durchbruch verhelfen.
Verhaltene Vorfreude der Nutzer
Allerdings ist im "Global Technology Insights"-Report (GTI) ein eher verhaltenes Bild der Nutzung von Handy-TV in Deutschland nachzulesen: Nur sieben Prozent der Befragten geben an, an einer Nutzung von Handy-TV in den nächsten 12 Monaten interessiert zu sein. Lediglich in Spanien und den Niederlanden ist dieser Wert noch niedriger. Großbritannien (19 Prozent) und Frankreich (21 Prozent) zeichnen sich dagegen im innereuropäischen Vergleich durch eine deutlich höhere Zusprache aus.
Ganz anders die Situation in einigen asiatischen Ländern. In Südkorea oder Japan beispielsweise zeigen gegenwärtig bereits 32 Prozent bzw. 42 Prozent der Befragten Interesse an einer Nutzung von Handy-TV. Neun bzw. 19 Prozent nutzen es bereits aktiv. Am höchsten ist das Interesse an Handy-TV in einigen der sogenannten Schwellenländer. Beispielsweise 43 Prozent der Inder zeigen sich daran interessiert und jeweils 57 Prozent der Befragten in Marokko und Vietnam. Auf den ersten Blick vielleicht überraschend. Doch diese hohen Werte sind schnell nachvollziehbar. In Ländern, in denen große Bevölkerungsteile noch keinen Zugang zu technologischen Standards wie Fernseher oder PC haben, scheint das Handy eine vielseitige und vor allem auch erschwingliche Alternative zu sein.
Unbestrittenes Potenzial
Das grundsätzliche Potenzial für mobiles Fernsehen auf dem Handy ist aber auch in Deutschland unbestritten. Die Frage ist nur, wann es sich durchsetzen wird. Und wer werden die großen Profiteure sein: Handyhersteller oder Netzbetreiber, oder doch eher die Fernsehsender? Oder am Ende doch die Medienbranche, wie etwa Mobile 3.0, ein Joint Venture aus Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH und Neva Media GmbH, hinter der neben dem südafrikanischen Medienkonzern Jaspers die beiden Verlagsgruppen Burda und Holtzbrinck stehen?
Die Fragen, die exemplarisch für den Handy-TV Markt gestellt wurden, lassen sich auf die gesamte Mobilfunkbranche übertragen. Was werden die Wachstumsmärkte sein? Welche Formate, Anwendungen und Dienste versprechen die meisten Kunden und vor allem: Welche die meisten Einnahmen? Welche Geschäftsmodelle setzen sich dabei durch?