Dieses Schreckensszenario will Piebalgs, der mittags oft allein im kommissionsnahen Schnellimbiss "Sushi Factory" speist, so abwenden: Zum einen soll die Lieferabhängigkeit gegenüber Russland sinken. Zum anderen soll die Energiebranche in der EU als Folge seiner Gesetzesvorschläge wettbewerbsfähiger werden.
Auf den nun folgenden Kampf um Mehrheiten im EU-Parlament und Ministerrat ist er bestens vorbereitet. Als Lette hat er ein gutes Gespür für politische Machtverhältnisse. Und als ehemaliger EU-Botschafter seines Landes kennt er die Wege durch das Brüsseler Politiklabyrinth, in dem sich Außenseiter leicht verirren.
Piebalgs kommt zugute, dass er mit den Gegner seiner Vorschläge in deren Muttersprache reden kann. Deutsch ist seine Lieblingsfremdsprache, und auch sein Französisch ist verhandlungssicher. Als Ex-Sowjetbürger spricht der Lette natürlich Russisch, was direkte Kontakte zu Putin erleichtert.
Wie ernst er seinen Job nimmt, hat der Kommissar am Montag bewiesen. Den Abend seines 50. Geburtstags verbrachte er nicht mit seiner Frau und den drei Kindern, sondern bei einer Diner-Diskussion über fossile Energieträger.