Wer kennt sie nicht: Horden junger Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die was auf sich halten und nach Berlin ziehen, um endlich ein cooles Leben zu führen. Es gibt zwar kaum Jobs, aber dafür ist man ja einfach cool. "Beruf: Cool", schrieb der damals 25-jährige Ehssan Dariani in sein Blog im Internet. von Verena Diethelm
Screenshot der Homepage des größten deutschen Online-Studentennetzwerks StudiVZ
Dariani ist eines dieser coolen Kinder. Mit einem Bachelor-Abschluss der Universität St. Gallen in der Tasche zog es den Kasseler mit iranischen Wurzeln in die Hauptstadt der Coolness. Zunächst scheiterte er daran, eine Kosmetikkette für Herren aufzubauen. Doch mit der zweiten Idee reüssierte er.
Bei einem Praktikum in den USA ein Jahr zuvor war der Volkswirtschaftsstudent erstmals mit dem Web-2.0-Hype in Berührung gekommen. Internetfirmen wie Youtube wurden innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und mit einem Milliardengewinn weiterverkauft. Diese Strategie wollte Dariani kopieren. Er legte sein Masterstudium auf Eis und gründete gemeinsam mit dem Informatikstudenten Dennis Bemmann und dem BWL-Studenten Michael Brehm ein Kontaktnetzwerk für Studenten.
Im Oktober 2005 ging die Internetplattform StudiVZ, deren Design verblüffend an ihr US-Pendant Facebook erinnert, online. Das Startkapital von 5000 Euro stellten Lukasz Gadowski und Matthias Spieß vom Netzdienst Spreadshirt zur Verfügung. In nur wenigen Monaten schafften es die drei Studenten, aus dem Projekt, an dem sie zu Beginn von Berliner Internetcafés aus arbeiteten, das größte Internet-Studentenportal Europas aufzubauen.
Im Sommer registrierte StudiVZ täglich 5000 Neuanmeldungen. "Gruscheln", das von StudiVZ ins Leben gerufene Kunstwort, wurde patentiert. Das US-Magazin "Newsweek" erwähnte Dariani sogar als Paradebeispiel eines neuen Unternehmertums in Europa. Im August 2005 pumpten Investoren wie die Brüder Samwer, die mit dem Verkauf des Klingeltonanbieters Jamba Millionen verdient hatten, und der Holtzbrinck-Venture-Fonds 2,5 Mio. Euro in die Kontaktplattform.
Von da an machte der selbstsicher wirkende Jungunternehmer weniger mit spektakulären Geschäftsideen als mit pubertären Scherzen von sich reden. Im Sommer veröffentlichte er auf Youtube ein selbst gedrehtes Video, in dem er auf ziemlich plumpe Art Frauen angräbt und diese mit der Videokamera bis auf die Toilette verfolgt. Noch geschmackloser dann Darianis Einladung zu seiner Geburtstagsparty auf der Internetseite www.voelkischerbeobachter.de, die er im Stil der Nazipublikation verfasste. Zudem mehrte sich in jüngster Zeit die Kritik von Datenschützern und besorgten Studenten, die etliche Sicherheitslücken von StudiVZ entdeckten. Auch der erste Fall von Massenstalking im Internet sorgte für negative Schlagzeilen.
Dariani kann das nun relativ egal sein. Er ist seit am Mittwoch nicht nur cool, sondern auch reich. 50 Mio. Euro soll der Verlag Holtzbrinck an die StudiVZ-Gründer zahlen.
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