Dabei ist der 60-Jährige weniger der Mann für den Abbau als einer, der den Aufbau eines Geschäfts managt. Der ehemalige Einkaufsvorstand von Audi - dort arbeitete er fast 15 Jahre - hatte sich vor seinem Wechsel nach Spanien mit Erfolg um das Chinageschäft des Herstellers gekümmert. "Wenn wir heute von China als dem zweiten Heimatmarkt von Audi sprechen, dann gebührt ihm dafür Anerkennung", sagte Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler vor zehn Tagen bei der Verabschiedung Schmitts aus dem Audi-Vorstand.
Unter seiner Verantwortung avancierte China nach Deutschland, den USA und Großbritannien zum viertgrößten Abnehmer von Audi-Fahrzeugen.
Mit Imagemisere konfrontiert
In Spanien wird Schmitt nun mit einer Imagemisere von Seat konfrontiert. Der Marke fehlt es an Profil. Die noch unter Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch initiierte Ausrichtung der einstigen Billigmarke auf ein sportliches Image nach dem Vorbild von Alfa Romeo schlug fehl. Die Entscheidung von Audi, ab 2009 mit dem A1 in das Kleinwagensegment einzusteigen, macht Schmitt die Arbeit auch nicht leichter. Trotzdem ist VW-Chef Martin Winterkorn, zuletzt bei Audi Schmitts Vorgesetzter, überzeugt, dass dieser "mit aller Kraft an der Restrukturierung der Marke arbeiten" wird.
Dazu hat Schmitt seinen Wohnsitz nach Barcelona verlegt und seine Familie nachgeholt. Er werde "24 Stunden rund um die Uhr und an sieben Tagen der Woche" für das Unternehmen da sein, versprach er. Wie es scheint, hat er der VW-Mutter neben der Fertigung einer Familienkutsche im Seat-Werk auch die halbe Zusage für ein Allradmodell - derzeit Verkaufsschlager - abgerungen. Einen Zeitpunkt für den möglichen Produktionsstart gibt es freilich noch nicht. Und eine Auslastung der Kapazität mit mehr als 500.000 Fahrzeugen jährlich ist damit auch nicht gesichert. Während Seat diese Woche die Arbeit ruhen lässt, um nicht noch mehr unverkäufliche Autos zu produzieren, dürfte Schmitt über kaum vorhandenen Chancen brüten.